Walburga: Für Bildung, gegen Tollwut

Die Walpurgisnacht, die von überkandidelten frauenbewegten Esoteriker_innen und von pseudowissenschaftlicher Mittelalterrezeption des 19. Jhs. angehauchten Neuheiden so bunt begangen wird, ist in Wahrheit die Vigil zum Fest der Heiligen Walburga, einer Benediktinerin des 8. Jhs.

Walburga war Tochter eines wohlhabenden, möglicherweise königlichen Paares, vermutlich Nichte des Heiligen Bonifatius (und ihm jedenfalls bekannt). Sie wurde im noch recht neuen Benediktinerinnenkloster Wimborne erzogen und früh in den Orden aufgenommen. Das Kloster war ein Hort der Gelehrsamkeit und bereitete sie gründlich auf die Mission vor. Nach etwa 26 Jahren in Wimborne – also ungefähr 36jährig – wurde sie von Bonifatius in das noch heidnisch geprägte Deutschland gerufen, wo ihre Brüder Wunibald und Willibald schon als Missionare tätig waren.

Das von ihrem Bruder gegründete Kloster Heidenheim erweiterte sie zu einem Doppelkloster und stand dem Frauenkloster als Äbtissin vor. Heidenheim war ein Zentrum der Missionsarbeit.

Deutsche Frauen, die schreiben und lesen können, verdanken diese Fähigkeiten mittelbar einer englischen Benediktinerin aus dem frühen Mittelalter. Sie ist übrigens auch Schutzpatronin gegen Tollwut – daran darf man heute und morgen denken, wenn es wieder rundgeht mit teils neopaganen, teils politischen Absonderlichkeiten im Harz, in Berlin und anderswo.

Heilige Walburga, bitte für uns.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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