Frisches Brot

… am besten selbstgemacht.

Ich weiß schon nicht mehr, vor wievielen Jahren ich das letzte Mal Brot gekauft habe (Ausnahme: Knäckebrot und Pumpernickel – ersteres kann ich zwar backen, tu es aber selten, letzteres erfordert einen Spezialofen). Brot backen ist nicht nur eine angenehme Arbeit, das Produkt ist auch erheblich billiger und besser als gekauftes Brot.

Der Moment des Anschneidens ist immer wieder besonders. Zuerst ritze ich mit dem Brotmesser ein Kreuz auf die Unterseite – ohne Gottes Segen will ich kein Brot haben. Dann schneide ich die ersten Scheiben ab, und die ganze Küche duftet nach frischem Brot.

So gut!

Brot
Brot

Heinrich Gassert
Eigen Brot

Hatten wir auf unserm Pachtfeld
Einen reichen Sichelhieb,
Daß von den verkauften Garben
Auch für uns was übrig blieb.

Ließ die Mutter von den Körnern
Just so wie ein reicher Mann
Hinten in der Mühle mahlen
Wohl ein Säcklein dann und wann.

Nach acht Tagen wir drei Buben
Holten dann das Stümplein Mehl.
Heimwegs meint‘ ich unverhohlen,
Daß daran ein Mäßlein fehl‘.

Alsdann holten wir die Mulde,
Von der Patin schnell gelieh’n.
Einer von uns schob den Karren,
Wir zwei andre mußten zieh’n.

Das Stück Arbeit, bis die Mulde
Droben auf der Ofenbank
Feststand auf zwei alten Stühlen,
O wir schwitzten uns halb krank!

Drein ward dann das Mehl geschüttet,
Und dann kam der Sauerteig.
Salz und Wasser waren nötig,
Auf daß drin sich Leben zeig‘.

Und der heiße Kachelofen
Hat dann wirklich in der Nacht,
Während wir wie Bären schliefen,
Leben in den Teig gebracht.

Dann am Morgen war die Mulde
Schwer und voll bis an den Rand.
Und nun ging es an das Kneten,
Doch das machte Mutters Hand.

Draußen heizten unterdessen
Wir den Ofen, daß er kracht‘,
Während drin die gute Mutter
Aus dem Teig die Laibe macht‘.

Und in jeden Laibes Rücken
Hat ein Kreuzlein sie gedrückt,
Weil ja ohne Gottes Segen
Nie uns etwas Rechtes glückt.

Alsdann schob sie auf der Schaufel,
Die ich dick mit Mehl bestreut,
Laib um Laiblein in den Ofen.
O ich mein‘, ich seh’s noch heut!

Bis wir aus der Schule kamen
War gebacken dann das Brot.
Warm und duftend auf dem Bänklein
Lag’s, das sonst mir Ruhe bot.

Doch das Beste und das Schönste
An der ganzen Bäckerei
War ein großer Zwiebelkuchen:
Ich begrüßt‘ ihn mit Juchhei.

Zwiebelkuchen darf nicht fehlen,
Wenn daheim man Schwarzbrot bäckt.
Doch ein Kind nur kennt die Freude.
Die in solchem Kuchen steckt.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Frisches Brot

  1. Sharela K. schreibt:

    Danke für das Gedicht und die tollen Fotos. Das Brot sieht super lecker aus.
    Ob ich wohl das Rezept haben dürfte?

    Liebe Grüße
    Sharela

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich backe in der Regel eher „nach Schnauze“. Versuch folgendes: ca. 150 g Hartweizengrieß, 600 g Vollkornmehl (hier: ca. 1/3 Roggen, 2/3 Weizen), 1 Packung Schichtkäse, Salz, Hefe, Wasser. Zu einem geschmeidigen Teig kneten. (Wenn Roggen dabei ist, ist er etwas klebriger als reiner Weizenteig.) Über Nacht gehen lassen, nochmals durchkneten, zu einem Laib formen, mit einem scharfen Messer mehrmals kreuzweise einritzen. Backzeit ca. 50 min. Du kannst auch Kardamom oder Zimt oder sonstige Spezereien dazutun, sowie Saaten wie Sesam, Mohn, Sonnenblumenkerne o.ä., oder statt dem Schichtkäse Olivenöl nehmen (nat. nicht ganz so viel). Oder… einfach herumprobieren. Gar ist ein Brot, wenn es beim Draufklopfen hohl klingt.

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