Liebesbrief an die Kirche

Liebe Kirche,

ja, Du, Du eine, heilige, katholische, Du Braut Christi!
Auch wenn wir uns fast täglich sehen und ich ja auch ein Teil von Dir bin, also ein ganz ganz kleines Teilchen, möchte ich Dir auch mal persönlich schreiben.

Viele, die zu Dir gehören, und noch mehr, die es nicht tun, zetern ja ständig über Dich. Und auch ich zetere manchmal – entschuldige bitte, Du Liebe. In Wirklichkeit geht es ja nicht um Dich, wenn ich zetere – sondern um meine Wahrnehmung von Menschen, die ich nicht so liebe, wie ich sollte, und darum, daß Menschen Dir von innen her schaden. (Ich nehme mich da nicht aus – denn ich bin ja eine Sünderin.)

Das ist schwierig zu begreifen und zu unterscheiden. Liebe Kirche, ich möchte Dir gerne helfen – und sehe, daß in Wahrheit Du mir hilfst. Ich möchte, daß Du lebst, und weiß, daß ich ohne Dich schon längst nicht mehr leben würde. In einer rein menschlichen Beziehung ist der Satz „Ich kann ohne dich nicht leben“ ein Alarmsignal und sollte den so Angesprochenen in die Flucht treiben. Aber die Beziehung zwischen Dir und mir ist ja göttlich, nicht menschlich – und in der Tat kann ich ohne Dich nicht leben und würde es auch nicht wollen.

Ich bin so froh, daß es Dich gibt und daß ich durch Dich den Herrn empfangen darf, und daß Du immer die Arme offenhältst und mich aufnimmst, daß ich durch Dich die Vergebung empfangen darf, was immer ich anstelle, daß ich vor dem Tabernakel knien und den Herrn anbeten darf – und daß ich für Dich schreiben und singen darf.

Der Herr hat ja versprochen, daß Du bleibst. Das ist ein großer Trost in Zeiten, wo so viele Deiner Treuen vertrieben und ermordet  und so viele schöne Gebäude, die zu Dir gehören, zerstört werden, und wo andererseits so schrecklich viele Menschen in Dir und in Deinem Namen Dinge sagen, die Du nicht sagst, weil der Herr sie nicht sagt.

Liebe Kirche, heute sagst Du es ausdrücklich: Du bist Wohnung Gottes unter den Menschen, geschmückte Braut Christi, heilige Stadt Gottes. Ich liebe Dich.

Deine Claudia

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Liebesbrief an die Kirche

  1. C.Becker schreibt:

    Wie schön.

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  2. Eugenie Roth schreibt:

    … Darf ich auch mit unterschreiben? GUT formuliert!

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