Josef Bordats Credo

In seinem neuen Buch Credo. Wissen, was man glaubt erklärt der katholische Philosoph und Blogger Josef Bordat das Apostolische Glaubensbekenntnis. Hierzu teilt er das Bekenntnis in siebzehn Sinneinheiten und widmet jeder ein Kapitel. Umschlossen wird diese Arbeit von einer Einführung: Was ist Glaube?, gefolgt von den Textgrundlagen, und einem Schlusswort: Was ist Bekenntnis?

Es ist ein sehr persönliches Buch; Bordat beschreibt nicht irgendein Glaubensbekenntnis aus religionswissenschaftlicher Perspektive, sondern das der katholischen Kirche, in der er heimisch ist. Man merkt in jedem Kapitel, daß der Autor von seiner Glaubensüberzeugung schreibt – zugleich aber auch von der vernünftigen Annahme dieses Glaubens. Auch sprachlich ist das Buch eine Freude. Bordat schreibt klar, vermeidet unnötige Fremdwörter und Fachjargon und formuliert nicht ohne Humor.

Die verschiedenen Teile, die den einen christlichen Glauben ausmachen, erklärt er auf jeweils passende Art, genau, aber ohne ein Wort zu viel zu verlieren. Der Glaube an den Allmächtigen führt zur Theodizeefrage, und Bordat gelingt es, diese schwierige und im Grunde unlösbare Frage kurz und verständlich – aber keinesfalls trivialisierend – zu erläutern.

Der Glaube an den Schöpfer des Himmels und der Erde wird in einem längeren Kapitel erklärt, in dem Bordat den Mystiker Meister Eckart und den Philosophen Thomas von Aquin heranzieht und auch auf moderne Evolutionstheorien eingeht.

Das Kapitel über den Glauben an die heilige katholische Kirche ist zugleich eine Apologie, die einen mir besonders wichtigen Absatz enthält:

Die katholische Kirche ist eine heilige Gemeinschaft der Sünder in Gemeinschaft mit dem und den Heiligen. Sie ist heilig, insoweit sie göttlicher Stiftung entspringt, sie ist sündig, weil in ihr Menschen wirken. In ihrer Geschichte zeigt sich beides: Der göttliche Funke der Heiligkeit, der in Menschen wie Augustinus, Franz von Assisi oder Mutter Teresa das Feuer der Liebe entfachte, und die Abgründe des Menschen, die voll des Hasses andere Menschen verfolgten, missbrauchten und töteten. Hier gilt es, genau hinzusehen und zu unterscheiden.
Diese Differenzierung macht die Kirche selbst, in einer Formel, die auf den Kirchenvater Augustinus zurückgeht: Einige, die drin sind, sind draußen, und einige, die draußen sind, sind drin. Das bedeutet, daß es in der Christenheit unchristliches Verhalten gab und gibt und christliche Nächstenliebe auch unter Menschen möglich ist, die nicht der Kirche angehören. Das Wort Extra ecclesiam salus non est („Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil“) steht freilich dagegen, wenn man es isoliert betrachtet. Wenn man aber bedenkt, in welchem historischen Zusammenhang es steht, ist es weniger Drohung oder Zwang, sondern liebevolle Ermahnung zur Treue und Warnung vor Irrlehren.

Für die Glaubwürdigkeit Jesu und Seiner Auferstehung und Himmelfahrt argumentiert Bordat schlüssig und ruhig, ohne je in den Tonfall eines Fernsehpredigers zu verfallen.

Im Schlusswort spricht Bordat über die Mission, die jedem Christen obliegt – da man über die lebensrettende Wahrheit ja nicht schweigen kann, wenn man selbst überzeugt ist – und auch von dem Menschenrecht auf Mission als Meinungsäußerung und darüber, daß dies Recht allenthalben beschnitten und missachtet wird.

Zum besseren Verständnis des vernunftgemäßen Glaubens ist dies Buch eine wertvolle Hilfe.

Josef Bordat: Credo. Wissen, was man glaubt, Eudæmonia, Lepanto Verlag 2016, 168 S., 13,90 €

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Josef Bordats Credo

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