Grabesruhe

Nikodemos

Zu meiner Stellung wollte es nicht passen,
mit diesem Mann vertraulich umzugehen.
Ich hielts geheim – und brannte, Ihn zu sehen.
Sein Wort war immer auch als Tat zu fassen.

Wie wir in dunklem Mutterschoß entstehen
und ihn zu Licht und Tätigkeit verlassen,
so lehrte Er, aus engen düstern Gassen
ins Licht zu treten, in des Geistes Wehen.

Und diesen Lehrer wollten Lehrer richten!
Umsonst versuchte ich, den Streit zu schlichten.
Ich konnte nichts mehr tun für diesen Frommen.

Wir haben abends Ihn vom Kreuz genommen,
gewaschen und gesalbt, zu Grab getragen.
Zwei Tage später hörte ich es sagen…

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Grabesruhe

  1. Eugenie Roth schreibt:

    Wunderschön! Vergelt’s Gott!

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