Die Meinung der anderen

In gut sieben Monaten werde ich wieder am Marsch für das Leben teilnehmen – hoffentlich wieder als Ordnerin, das hat mir beim letzten Mal Freude gemacht.

Organisatoren und Teilnehmern wird immer wieder gerne geistige Nähe zu dem Mordgesindel des Dutzendjährigen Reiches vorgeworfen, und zwar genau deswegen, weil sie gegen Tötung irgendeines Menschen sind. Da greift man dann auch mal zur Verleumdung durch gefälschte Photos. Oder beruft sich auf angebliche, tatsächlich aber nie geäußerte Worte von Kirchenleuten, um zu „beweisen“, daß die Kirche ein frauenverachtender und reaktionärer Haufen ist. Damit müssen wir leben, und ich weiß, daß stichhaltige Gegenbeweise nicht akzeptiert werden. Mit dem Vorwurf, ein ungebildetes Dummchen in den Fängen katholischer Schergen zu sein, muss ich auch dann leben, wenn ich ihn in lateinischer Sprache widerlege – ebenso mit dem Vorwurf, Gewalt anzuwenden gegen Menschen, die gewalttätig eine genehmigte und friedliche Versammlung stören (wenn ich z.B. sage: Lass das).

Das ist so, ich werde es nicht ändern können. Als Kinder haben wir gern eine Kurzfassung benutzt für die Aussage, daß geistige Defizite nicht pharmazeutisch bekämpft werden können (dbddhkPsAv).

Zur Zeit wird mit besonderer Vehemenz behauptet, Lebensschützer seien AfD-gesteuert. Nun, zum einen gibt es die Lebensschutzbewegung schon einige Jahrzehnte länger als die AfD. Zum anderen ist sie nicht homogen. Ich kenne zahlreiche Lebensschützer; mit den meisten bin ich mir einig in der heftigen Abneigung gegen diese Partei. Es gibt unter Lebensschützern Menschen, die ich sehr schätze und die eine andere politische Meinung als ich vertreten. Es gab eine Zeitlang unter den Menschen, die ich schätze, auch einige, die der AfD nahestehen – bis mir die Äußerungen dieser Menschen immer unangenehmer und nach meiner Auffassung menschenfeindlicher wurden, so daß ich sie nicht mehr schätzen kann. Deshalb sind sie aber dennoch teilweise im Lebensschutz aktiv und in diesem einen Punkt mit mir einig.

Dadurch wird nun nicht der Lebensschutz zu einer schlechten Sache. Denn ob eine Sache gut ist oder schlecht, hängt nicht davon ab, ob ich ihre Unterstützer samt und sonders gerne mag oder nicht. Die biologische Tatsache, daß der Inhaber einer humanen DNA ein Mensch ist, ist unabhängig davon, ob das auch richtig unsympathische Leute wissen und sagen. Wenn jemand sagt „Ein Mensch ist von der Zeugung an Mensch“, so ist das auch dann richtig, wenn er im nächsten Satz etwas sehr Dummes über Fremde oder Frauen oder Arbeitslose sagt.

So wie beim letzten Mal und den Malen davor werde ich auf dem Marsch für das Leben einigen Menschen begegnen, die ich nicht leiden kann. Es werden leider auch einige Menschen dabeisein, die meiner Ansicht nach dummes Zeug über andere verbreiten. Das bleibt nicht aus bei mehreren tausend Menschen. Ich habe diese Wahrnehmung auch auf Demonstrationen gegen Atomkraft und gegen Gebäudespekulanten gemacht. Das, was Menschen auf einer Versammlung eint, ist das Thema der Versammlung. In anderen Themen können sie sich einig sein, müssen aber nicht. Je mehr Menschen anwesend sind, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, daß nicht alle in allem einig sind.

Die Organisatoren des Marsches für das Leben sind sich einig darüber, daß dies an keiner Stelle eine parteipolitische oder sonstwie weltanschaulich geprägte Aktion sein soll. Es geht um Lebensschutz – und um nichts anderes.

Davon abgesehen, ist mir beim Marsch für da Leben bisher stets zweierlei aufgefallen: 1. Die, die mitgehen, sind friedlich; fast alle wirken auf mich sehr sympathisch, die paar, die das nicht tun, sind auch friedlich. 2. Die Gegner des Marsches sind kindische Krakeeler; einige von ihnen habe ich auch außerhalb der Gegenaktion als logikfern und äußerst despotisch erlebt.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Die Meinung der anderen

  1. unigenita schreibt:

    Zu derart differenziertem Denken, wie du es hier demonstrierst, sind ja leider die wenigsten Menschen in der Lage, ob rechts, links oder sonst was. Das finde ich immer wieder ganz besonders erschreckend.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Willkommen und Dank für diesen Kommentar, unigenita. Dabei finde ich diesen Grad an Differenzierung noch nicht mal so besonders schwierig.

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      • unigenita schreibt:

        Nee, eigentlich völlig im Rahmen gesunden Menschenverstandes. Und doch… man erlebt es ja wirklich ständig anders. Als würde alle Welt wirklich nur noch schwarz-weiß denken. Drum freu ich mich so, wenn mal jemand auch Graustufen vorweisen kann! 😀

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