Behördenlob

Es kommt nicht häufig vor, daß ich über Behörden etwas Nettes sage. Aber jetzt ist mir danach.

Ich hatte meinen Ausweis verloren, schon vor längerer Zeit, und das Beantragen immer vor mir hergeschoben. Man kann ja im Allgemeinenen auch ohne Ausweis ganz gut leben. Nun aber stehe ich kurz vor einer Reise und mußte handeln.

1. Internetwache anschreiben: Ausweis ist weg, was soll ich machen?
2. Polizistin (sehr freundlich) ruft an, erklärt mir, was ich machen soll. Auf meine besorgte Frage, ob ich jetzt wegen einer Ordnungswidrigkeit drankomme, weil ich ja seit – öh, irgendwie nach Weihnachten… keinen Ausweis mehr habe, sagt sie: Ach, Pillepalle, Sie haben den ja möglicherweise bloß verlegt, wenn Sie ihn wiederfinden, müssen Sie ihn bei der nächsten Polizeidienststelle abgeben, der ist dann ungültig. Und zum Bürgeramt müssen Sie, wenn sie da keinen rechtzeitigen Termin bekommen, finden die auch ne Lösung.
3. Der nächste reguläre Termin im Bürgeramt wäre im Mai möglich, ich reise aber im März. Ich gehe zum Bürgeramt und sage dies, werde freundlich gebeten, mich anzustellen. Das dauert zwar ein bißchen, aber ich habe ein Buch mit. Dann: „Ich guck mal – ja, da ist gerade eine Frau gegangen, die einen Termin gehabt hätte, ich übertrage Ihnen den. Dauert aber noch ein bißchen.“
4. Warten ist langweilig, und ich kann mich auf das sehr gute Buch nun nicht mehr konzentrieren, aber was solls. Schließlich bin ich dran und werde empfangen mit einem fröhlichen „Guten Tag, Frau Sperlich“ – und nach Aufnahme meiner Daten: „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, ist ja noch nicht so lange her!“
5. Die Frau tut, was zu tun ist, um mir einen vorläufigen Personalausweis zu machen und den endgültigen zu beantragen, zwischendurch noch einige nette Worte. Und am Ende sage ich:

Ich bin ja jetzt in einem Alter, wo man gerne sagt, früher war es besser – aber in meiner Jugend waren die Leute in Behörden immer muffelig! Heute begegne ich hier nur freundlichen Leuten.

Das hat sie gefreut, und das freut wiederum mich.
Ich finde es immer noch gräßlich, zu Behörden zu gehen. Bürokratie ist mir ein Greuel. Aber dafür können die Angestellten nichts. Hoch sollen sie leben!

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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