Diffamierung für Fortgeschrittene

Kürzlich twitterten die Grünen in Baden-Württemberg ein Photo von drei aggressiv wirkenden Männern vor und neben Transparenten der Demo für Alle in Stuttgart. Zwei hielten selbst Fahnen in dem Demo-für-Alle-Lila, auf der einen sah man die typische Familien-Silhouette. Einer hatte die Faust erhoben. Der mittlere trank aus einer Flasche.

faelschung

Überschrieben war das Bild:

Fraktion GrüneBW @FraktionGruenBW 28.2.2016, 15.00 Uhr
Auf @demofueralle versammeln sich „besorgte Bürger“, sagt #AFD-demofüralle.
Sie schauen eher besorgniserregend aus.

Sehr bald hat der aufmerksame Twitter-User Timo Roller herausgefunden, woher das Photo stammte. Die Männer marschierten im März 2011 in einer Demonstration der rechtsradikalen NVU in den Niederlanden. Der Fahnenträger links ist Martijn Oelen, der rechts mit erhobener Faust ist Arie Huisman, beide polizeibekannt. Auf dem Originalphoto sieht man, daß sie nicht etwa „Demo für Alle“-Fahnen tragen, sondern anders gefärbte, mit deutlich nationalistischem Inhalt.

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Demo für Alle – etwas anderes als der Marsch für das Leben, aber mit großen Schnittmengen; wie jener zur Lebensschutz-Bewegung gehörend – ist nicht deckungsgleich mit der AfD. Sie ist lt. Selbstbeschreibung ein Aktionsbündnis verschiedener Familienorganisationen, politischer Vereine, engagierter Einzelpersonen und Initiativen aus ganz Deutschland. Die DEMO FÜR ALLE ist eine Idee aus Frankreich und hat dort als La Manif Pour Tous bereits mehr als 1,5 Millionen Menschen auf die Straße gebracht.

Winfried Mack (CDU) gab zu dieser Fälschung eine Presseerklärung, in der er die Grünen aufforderte, sich für dies Bild zu entschuldigen (d.h. natürlich: um Entschuldigung zu bitten; entschuldigen kann man sich nicht selbst). Bis jetzt habe ich auf twitter (wo ich selbst wie viele andere eine irritierte Frage an die Grünen stellte) nur sehr laue Beschwichtigungsversuche, mit sofortigem Nachlegen und neuen Unterstellungen untermischt, gefunden – einschließlich der Bezeichnung der drei Unsympathen als „Besoffskis“ (der eine hält, deutlich sichtbar, eine Limonadenflasche – und egal wie furchtbar die drei sein mögen, sie haben einen Anspruch auf Gerechtigkeit).

Ich stelle fest:

1. Grüne Politiker finden es in Ordnung, ihre politischen Gegner durch gefälschte Bilder mit Kriminellen in einen Topf zu werfen.
2. Grüne Politiker können nicht unterscheiden zwischen einem nicht parteigebundenen Zusammenschluss von Lebensschützern und der AfD.
3. Grüne Politiker können, wenn sie Unrecht getan haben, nicht von sich aus auf die Geschädigten zugehen und um Verzeihung bitten.
4. Grüne können, wie ich in der Diskussion merkte, ganz hervorragend das eigene tatsächlich jetzt gerade begangene Unrecht relativieren mit den retuschierten Photos oder vergleichbaren Fälschungen, die nicht von Demo für Alle und nicht von AfD kommen, sondern von anderen Leuten, von denen die Grünen glauben, sie wären irgendwie die gleichen. Argumentationsschema: Ich darf dir die Sandschippe übern Kopp ziehen, weil du mit der doofen Ilse in einem Haus wohnst, und deren Bruder hat meinen Cousin mal gehauen, glaub ich.

Es stimmt zwar, daß die Grünen das gefälschte Photo vom Netz genommen haben. Auch haben sie auf twitter irgendwie in die Masse hinein „sich entschuldigt“ (was, wie oben angemerkt, aus sprachlogischen Gründen nicht geht, aber sei’s drum). Zugleich aber haben sie in der Diskussion keine Gelegenheit ausgelassen, die eigentliche Schuld an so ziemlich allem ihren politischen Gegnern (alle gleich) in die Schuhe zu schieben.

Grüne, werdet erwachsen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Diffamierung für Fortgeschrittene

  1. Gast schreibt:

    Meine „Erfahrung“ sagt folgendes: Es sind nicht DIE Grünen,DIE Gewerkschaftsjugend oder DIE SPD Jugend, die „Demo für Alle“ in den Dreck ziehen wollen. Es ist –mit Verlaub–die Homomafia (manche nenen sie die Gaystapomafia) die gegen die Normalos von „Demo für Alle“ kämpfen.

    Es geht um MACHT und darum Kinder Adoptieren zu können..Warum kann sich jeder selbst überlegen.

    Zu diesem Thema gibt es u.a. folgende seriöse Untersuchungen :

    German Institut for Youth and Society :“Wie Homosexualität…vermarktet wird“ und von
    Josef J. Nicolosi „Psychodynamiken in der Homosexualität“

    Nochmal: Es ist eine Ganze „Homoindustrie“, die mit allen Mitteln um Macht kämpft…Dabei wird ganz besonders darum gekämpft, bei den ganz Kleinen schon intensiv das Thema Homosexualität in den Mittelpunkt zu stellen. Man braucht ja schliesslich „Nachwuchs“ .Was das mit den KIndern macht ist vollkommen egal.

    Ganz wichtig auch: Die Homolobby will in die Politik. An die Hebel der Macht….Dabei stört die -werterhaltende-Kirche ganz besonders und wird immer und immer wieder in den Dreck gezogen…

    Liebe Mitstreiter: Wacht auf.Es ist KEIN (Kinder)Spiel sondern Todernst…..

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich halte Ausdrücke wie „Homolobby“ für ebenso polemisch-überspitzt wie Verallgemeinerungen über alle Grünen, Jusos etc. Auch bin ich keineswegs der Ansicht, alle adoptionswilligen Schwulen haben unlautere Absichten, oder alle Homosexuellen sind machtgeil, oder was immer. Daß ich dennoch gegen das Adoptionsrecht für Homosexuelle bin, müßte eigentlich wissen, wer hier liest.
      Mich und alle, auch mindestens einen homosexuell empfindenden Lebensschützer (jau, das gibts, erst nachdenken, dann antworten) zum „Aufwachen“ aufzurufen, also zu implizieren, daß wir pennen, ist grenzwertig.

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  2. Pingback: Die Meinung der anderen | Katholisch? Logisch!

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