Ein Bistum auf Facebook

Das Bistum Münster ist in den vergangenen Jahren schon mehrmals durch nicht eben rechtgläubige Aussagen aufgefallen. Mir ist das besonders schmerzlich, weil mein dortiges Theologiestudium so lange auch wieder nicht her ist und ich damals wirklich vieles Wertvolle gelernt habe, heute aber niemandem mehr raten möchte, ausgerechnet dort zu studieren.

Der Facebook-Auftritt dieses Bistums glänzt besonders speckig durch teils banale, teils mit dem katholischen Glauben schwer oder gar nicht zu vereinbarende Inhalte. Kürzlich teilte es ein unbegabt gezeichnetes Trickfilmchen, in dem Gott vor einem Journalisten eine Menge Unsinn redet. Kurz gefasst geht es darum, daß ihm Erde, Menschheit und Glauben egal sind, daß er aber beleidigt ist über die Theodizeefrage. Dabei werden billigste Scheinargumente und untergeschobene Plattitüden bunt durcheinandergewürfelt.

Bei einer atheistischen Seite fände ich das nicht kommentarwürdig. Bei einer Bistumsseite schon. Es handelt sich nämlich in diesem Fall schon nicht mehr um Häresie – ein Häretiker macht sich über seinen Glauben ja Gedanken, auch wenn sie irrig sind! – sondern um eine Form des Atheismus, die so tut, als wäre sie witzig, in Wahrheit aber nur dumm und vor allem vollständig ahnungslos in Bezug auf Religion ist. (In Bezug auf zeichnerisches Können übrigens auch.)

Dem Bistum Münster,
anlässlich eines schlechten Trickfilms auf seiner Facebook-Seite.

Auf Bistumsseite ist ein Film zu sehen,
Als Witz sogar zu schlecht für Atheisten:
Ein Männchen-Gott vor einem Journalisten,
Der klarstellt: Völlig wurst ist unser Flehen.

Er mosert erstmal über Terroristen,
Und über Fragen zu dem Weltgeschehen,
Und über mögliche Theodizeen,
Und setzt zum Untergang dann Abmahnfristen.

Kein Wort fällt von Erlösung und von Gnade.
Doch überm Kopf zeigt uns ein Dreieck an:
Aufs Christentum verweist der alte Mann.

Auf andern Seiten wäre es nur schade.
Auf Bistumsseiten sind es gleich zwei Sünden.
Gottlos und faul. Die solln – gefälligst – künden!

© Claudia Sperlich

Nachtrag: Thomas Mollen vom Team des bistümlichen Facebookauftrittes kommentierte eben:

 Wir freuen uns über die angeregte Diskussion. Darin sind auch einige Argumente enthalten, die wir vorher so nicht bedacht, Fragen, die wir uns nicht gestellt hatten. Ganz sicher war es nicht unsere Absicht ein bestimmtes Gottesbild zu ‚propagieren‘, geschweige denn eines, in dem Gott sich nicht für die Menschen interessiert. Wir wollten Sie eigentlich nur mit einem Schmunzler ins Wochenende verabschieden. Das ist uns bei vielen Usern (siehe Likes) gelungen, bei anderen (siehe Diskussion) deutlich nicht. Auch wenn Humor letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks ist (auch bei uns gibt es zu dem Video verschiedene Meinungen), werden wir die hier geführte Diskussion zum Anlass nehmen, intern weiterzudebattieren, welche Beiträge wir künftig hier teilen und welche eher nicht.

Das macht meine Skepsis gegenüber dieser Facebookseite zwar nicht viel geringer, aber stimmt doch in diesem Fall versöhnlich.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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