Cinerum

Mein Fasten

Mein Fasten wird die Hungersnot nicht lindern,
wird keine Wüste feucht und fruchtbar machen,
und sollte betend ich die Nacht durchwachen,
wird das die Bitterkeit der Welt nicht mindern.

Mein Fasten bringt nicht Trauernde zum Lachen,
läßt keinen Forscher Heilungswege finden,
wird keines Kriegsgewinnlers Hände binden
und im Verzagten keinen Mut entfachen.

Nur etwas klarer wird das eigne Denken,
nur etwas freier wird die eigne Seele,
der eigne Leib wird weniger belastet.

Und wenn ich dann nicht Mut und Lust verfehle,
Gedanken, Kraft und Liebe zu verschenken,
hab ich nicht nur aus Eigennutz gefastet.

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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6 Antworten zu Cinerum

  1. Eugenie Roth schreibt:

    Protest! Was ist mit Lepanto? Was ist mit Wien?
    Gebet BINDET die Hände!!! So, NUR SO, kann Krieg (ab-)gewendet werden!

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Aber daß das Gedicht „Mein Fasten“ heißt und davon handelt, was mein Fasten kann bzw. nicht kann, hast Du schon zur Kenntnis genommen?
      Es heißt nicht „unser Beten“ oder „mein Rosenkranz“ oder „Lepanto“. Es heißt „Mein Fasten“.
      Und es handelt auch ein wenig von meiner Erfahrung. Ich habe sie. Danke.

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  2. meckiheidi schreibt:

    wunderbares Sonett! Und genau so empfinde ich es auch. Da du ein Gedicht darüber gemacht hast, entfacht es aber doch etwas Mut – zumindest in mir!

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Das freut mich!
      Und darum geht es mir auch: Mut behalten und machen, obwohl Gebet und Fasten eben keine „Erfüllungsmaschine“ ist. Und obwohl wir zwar hoffen können, daß Gott handelt – nur in der Tat unser Fasten keine Hungersnot behebt.

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