Wägen, Hängen, Bezahlen, Leiden

… das alles heißt das lateinische Wort pendo.
In cruce pependit wird gewöhnlich übersetzt mit Er hing am Kreuz. Oder Er litt am Kreuz. Beides ist im Wortsinn richtig.

Und ebenso richtig ist:

Er wog am Kreuz ab – also: Er gab sich selbst in die Waagschale, und in der anderen Waagschale waren unsere Sünden; nur Er genügt als Gegengewicht.
Er bezahlte am Kreuz.
Er schätzte am Kreuz – schätzte uns so hoch, daß Er sich für uns einsetzte und hingab.

Alle vorgestellten Übersetzungsmöglichkeiten finden sich im lateinisch-deutschen Wörterbuch. Und ich sitze da als Übersetzerin eines Hymnus und frage mich: Wenn ich schon kein Wort mit dieser Spannweite der Bedeutung habe – in welche Richtung gehe ich dann?

Wahrscheinlich kommt im März heraus, wie ich mich entschieden habe. Vielleicht schon vorher. Jetzt kommt erst einmal heraus, daß die alten Hymnen, die vom Herrn am Kreuz sprechen, alle mit einem Wort eine ganze Welt beschreiben:

Jesus hing – bewegungsunfähig, erstickend. Er litt – mit vollem Gewicht an den von Nägeln durchbohrten Handwurzeln hängend, die ebenso misshandelten Fußwurzeln machten ein Abstützen völlig unmöglich. Er hatte gewusst, was auf Ihn zukam, hatte erwogen und bedacht, daß wir es Ihm wert sind. Er wusste, daß unsere Sünden viel zu schwer wiegen, von irgendetwas oder irgendjemand außer Ihm aufgewogen zu werden.

Ich liebe Ihn – viel zu wenig.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Wägen, Hängen, Bezahlen, Leiden

  1. akinom schreibt:

    Gerade froh zurückgekehrt war ich von einem Besuch bei meiner 80-jährigen Schwester in Münster, mit der mein Mann und ich im TV die Vedelszööch angeschaut hatten, um uns von bösen Sorgen, Leid und Schmerzen ein wenig abzulenken und zu entspannen. Da fand ich, liebe Frau Sperlich, Ihren Beitrag mit dem Karfreitagsthema in Ihrem Blog. Das war einfach ein Hammer für mich !
    Bei uns hatte Frohsinn geherrscht, der unsere Sorgen mit einschloss. Der Tisch war mit Luftschlangen dekoriert, es hatte aber kein „Konfettipflicht“ gegeben. Karnevalserinnerungen waren auch ein Thema: Zum Beispiel der Bericht des Krankenhausseelsorgers an der Kölner „Lindenburg“, wo unser Bruder 1948 ff. Messe gedient hat. Beim ersten Karnevalszug nach dem Krieg hatte dieser eine Apfelsinenkiste organisieren und die böse Vergangenheit in neuer Aufbruchstimmung vergessen können: „Als isch de dicke Trumm jehört han, woar allet widder juuut!“
    Unvergessen auch: Karnevalssonntag 1975 hatte ich unseren Erstgeborenen zur Welt gebracht, eine „gewichtige Persönlichkeit“ (9 Pfund und 63 cm) mit jeckem Geburtsschaden. Das Lebkuchenherz für ihn ist abgeschickt. Wie gut tut doch das Wort der großen hl. Theresia von Avila: „Wenn fasten, dann fasten; wenn Truthahn, dann Truthahn!“
    Ich möchte meine Gefühle und Gedanken keinem überstülpen, mich aber auch nicht von „Anti-Frohsinnsschergen“ bedrängen lassen. Asche über mein Haupt erst übermorgen!
    Als Lektüre empfehlen möchte ich aber einfachin der Tagespost: „Die vergängliche Zeit der ‚verkehrten Welt‘. – Die Kulturgeschichte des Karneval beginnt vor 5 000 Jahren. Am Beginn der Zivilisation … Eine kurze Kulturgeschichte der fünften Jahreszeit“ von Josef Bordat

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