Humanismus und Rufmord – passt das zusammen?

Lieber Humanistischer Pressedienst,

daß ein spanischer Erzbischof am 27.12.2015 in einer Predigt gesagt hat, „Frauen können verhindern, dass sie geschlagen werden, indem sie einfach das tun, was die Männer von ihnen verlangen.“ (so das Zitat in dem auf meinen Seiten nicht verlinkbaren hdp-Artikel Ungehorsame Frauen), macht sich natürlich gut als Meldung. Verbreitet sich auch besser als die Wahrheit.

Aber so ein bißchen Achtung vor der Wahrheit könnte man ja trotzdem gelegentlich haben, so als Humanist, oder? Daß dies angebliche Zitat nicht einmal ungefähr oder sinngemäß vorkam, daß es eine Erfindung des hdp ist, könnte ja vielleicht mal zu einem Dementi, einer öffentlichen Bitte um Entschuldigug und einem Schreiben mit Schuldanerkenntnis und Vergebungsbitte an Seine Eminenz führen – na? Wirds bald? (Um Vergebung bitten kann man auch außerhalb des Beichtstuhls. Man muß dazu nicht katholisch sein, nur einfach anständig. Man kann das auch unterstreichen mit einer Wiedergutmachung – irgendwas zwischen einer Flasche Wein und tausend Euro für katholische Familienberatungsstellen wäre ja möglich.)

Ich kann kein Spanisch, aber Latein, und habe gestern nach dem Original gegoogelt. Ich fand nichts, was irgendwie so ähnlich klingt wie die Meldung des hpd. Wenig später hat Anna Diouf, eine spanischkundige Bloggerin, die Predigt übersetzt, und siehe da – Seine Eminenz Braulio Rodriguez Plaza, Erzbischof von Toledo, hat in der Tat zum Thema „Gewalt in der Familie“ gepredigt. Hier steht es:

Der Großteil der Frauen, die getötet werden, werden von ihren Ehemännern umgebracht, die ihre Frauen nicht respektieren, die sie ablehnen, vielleicht, weil sie manchmal ihre Anweisungen nicht befolgen; oder sie werden durch ihre Expartner umgebracht, oder auch durch die, mit denen sie zusammenlebten. Oft ist es eine vom Machismo herrührende Reaktion, die ihren Ursprung darin hat, dass sie die Scheidung eingereicht hat. Es ist wunderbar, dass die Frauen, die bedroht werden, das (offen) sagen, und es gibt durch neue Schutzmechanismen die Möglichkeit, ein Verbrechen zu verhindern.

Also: Seine Eminenz hat gesagt, daß es wunderbar ist, wenn Frauen geschützt werden und Gewalt anzeigen. Er hat gesagt, daß Gewalt gegen Frauen, insbesondere in Partnerschaften, ein Ergebnis des Machismo ist (den er an keiner Stelle verteidigt, im Gegenteil). Er hat gesagt:

Um in das Leben des oder der Anderen einzutreten, wenn diese/r sogar Teil unseres Lebens wird, bedarf es der Feinfühligkeit, nicht übergriffig zu handeln; eine Feinfühligkeit, die das Vertrauen erneuert, den Respekt und die Liebe. Je intimer und tiefer die Liebe ist, desto mehr fordern diese Tugenden, die Freiheit (des Anderen) zu respektieren und die Fähigkeit zu hoffen.

Und, lieber Humanistischer Pressedienst, da Du Dich auf Humanisten berufst, hier ein Zitat eines der Größten unter ihnen:

Da der einzige Weg zum ewigen Leben der ist, Gott zu erkennen und seinem Befehl zu gehorchen, beweint der Prophet im 14. Psalm bitterlich die verblendete Torheit der Menschen, da nur wenige gefunden werden, die die offenkundige wesenhafte Barmherzigkeit ihres Schöpfers und Erlösers annehmen und sich zu eigen machen; vielmehr wird der größere Teil durch ihre blinde sinnliche Begierlichkeit so vollkommen verführt, daß sie auch in ihrem Herzen sprechen: Es gibt keinen Gott. Aus ihrer so gottlosen, falschen Meinung, daß es keinen Gott gebe, ist wie aus einem Brunnen die Bosheit und Gemeinheit gegen die Nächstenliebe entsprungen. Denn keiner liebt wahrhaft seinen Nächsten, der ihn nicht um Gottes Willen liebt, da die Werke der Liebe aus dem Glauben an Gott wie aus einer Wurzel erwachsen. Wer aber in seinem Herzen erwägt und spricht: Es gibt keinen Gott, der hat ein schnödes und allzu enges Herz, und der Rede folgt dann die Tat, so daß er seinem Nächsten nichts Gutes tun kann, sondern ihn nur anbläst mit dem giftigen Leichengestank des Betruges, dem tödlichen Natterngift, das ein anderer Psalm unheilbar nennt.

Erasmus von Rotterdam, Büchlein über die Reinheit der Kirche

Um einzusehen, daß Verleumdung falsch ist, muß man allerdings nicht notwendig an Gott glauben.

Um Lügen zu verbreiten, braucht man nicht notwendig bösen Willen; schlampige Recherche und übergroßes Vertrauen zu modernen „Humanisten“ genügt. Die Lüge steht bei Wikipedia und in zahlreichen Presseorganen, in verschiedenen Sprachen. Die Weigerung, zu recherchieren, gibt es, ebenso wie Verleumdung, überall, nicht nur beim hdp – aber das entschuldigt den hdp nicht.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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9 Antworten zu Humanismus und Rufmord – passt das zusammen?

  1. Liebe Claudia, wo steht das bei WIKIPEDIA? Schicke mir bitte den Link dazu: Ich werde das sofort korrigieren, falls es nicht schon korrigiert ist.

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  2. Die eigentliche Frage: Humanismus und Humanistischer Pressedienst – passt das zusammen? (Übrigens ist dessen Site auch mit der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben und der Giordano-Bruno-Stiftung (siehe: Eine Stiftung unter antisemitischem Patrozinium – http://occidens.de/chronica/moralia4.htm#g_bruno -) durch Links verbunden.)

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Dank für diesen Kommentar! Ja, die antisemitische Karikatur in dem Zusammenhang ist mir erinnerlich.
      Die – gelinde gesagt – unbedarften Äußerungen habe ich damals nur kopfwackelnd zur Kenntnis genommen.

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  3. Peter Friedrich schreibt:

    Diese Stellungnahme habe ich gefunden:
    „Heuchlerisch, jetzt auf dem Erzbischof rumzuhacken. Er spricht nur in anerkennenswerter Ehrlichkeit aus, was die katholische Kirche an dem Punkt immer gedacht und gelehrt hat.
    Es wurde in diesem Blog in den letzten Wochen schon mal daran erinnert: Selbst die damalige DBK unter dem liberalen Lehmann hat vor 20 Jahren heftig gegen das Gesetz zur „Vergewaltigung in der Ehe“ angekämpft. Dahinter stand (und steht) genau das katholische Frauenbild, das der spanische Erzbischof in erfrischender Offenheit und Klarheit hier darstellt. Da nützen auch keine winkeladvokatorischen hermeneutischen Klimmzüge, dass man das doch irgendwie anders, „differenzierter“ verstehen müsse.“

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Nun ja – wenn hdp und Konsorten etwas finden, was sie sol lange verdrehen können, bis es der Kirche schadet, dann nehmen sie es. Die Vorwürfe beruhen zwar auf Lüge, aber der Hass gegen die Kirche ist ganz ungeheuchelt. Nicht daß er davon besser würde!

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      • Peter Friedrich schreibt:

        Moment, unabhängig von der Falschdarstellung aus Spanien in diesem Fall – ich hoffe doch, daß es uns allen von Herzen leid tut, daß es auch auf Druck der Kirchen damals im Prinzip gesetzlich legitimiert war, daß es in Ehen unbefristet Vergewaltigungssituationen gab. Eine Schande.

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