Einundzwanzigste Tür

Gustav Schüler
In Gott fallen

In Gott zu fallen, ach ihr Armen,
Das ist wie weichstes Flockenspiel!
Wer also fällt, fällt in Erbarmen
Und weiß doch gar nicht, daß er fiel.

Die Pein ist nebelgleich verstoben,
Die Lust geht auf nach neuem Ziel.
Von neuer Kraft wird er gehoben.
Er fiel und weiß nicht, daß er fiel.

Die Sonne kommt heraufgestiegen. –
Tiefausgeruht auf seligem Pfühl,
Hebt sich der Müde und kann fliegen.
Er fiel und weiß nicht, daß er fiel!

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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