Zwanzigste Tür

Gustav Schüler
Nun wollen die Berge verblühen

Nun wollen die Berge verblühen,
Die Tale schlafen ein;
Zwei Spitzen aber glühen
Im allerletzten Schein.

Da oben möchte‘ ich stehen,
Von Glorie umstickt,
Das Müdgewordene sehen,
Das sich zum Schlummer schickt.

Mit Gott mich leis beraten,
Ich bin ihm ja so nah,
Und morgen stünden die Saaten
Dreifach gesegnet da.

Ich schmeichelt‘ aus seinem Herzen
Viel starke Liebe los,
Und morgen wären die Schmerzen
Der Erde Träume bloß.

Ich schlösse in goldene Gitter
Den letzten Sonnenrest.
Das sterbende Gezitter
Mit der Seele hielt ich’s fest.

Und schüttete es auf Tage,
Wo alle Sonne fort. –
Sei stark, mein Traum, und trage
Mich auf die Berge dort!

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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