Immer weniger – und viel zu viel

Seit einem traurigen Rekord im Jahre 2001 sinkt die Zahl der registrierten Abtreibungen in Deutschland stetig (Quelle).
anzahl-der-schwangerschaftsabbrueche-in-deutschland-

Die „Pille danach“ ist in dieser Statistik nicht aufgeführt.
Levonorgestrel ist in fast allen europäischen Ländern (außer Polen, Ungarn und Italien, wo es verschreibungspflichtig ist) rezeptfrei in der Apotheke zu haben. In Deutschland wurde die Rezeptpflicht für Levonorgestrel zum 14. März 2015 abgeschafft.
Ulipristalacetat ist seit dem 8. Januar 2015 in Deutschland rezeptfrei erhältlich.

Auch vor Aufhebung der Rezeptpflicht waren beide Medikamente in Deutschland legal. Die Verschreibung galt nicht als Schwangerschaftsabbruch, da bei diesen Medikamenten allgemein vorausgesetzt wird, daß es bei Einsetzen der Wirkung noch nicht zur Nidation gekommen ist. Diese Annahme ist aber unbegründet. Ob zum Zeitpunkt der Einnahme bereits eine Nidation stattgefunden hat (also: ein Mensch im frühen Entwicklungsstadium vernichtet wird), ist nicht sicher; die Anwendung ist eine Form von Russischem Roulette. Der Abwärtstrend der Statistik ist also mit Skepsis zu betrachten.

Dennoch ist der Trend natürlich erfreulich. Ich halte es für wahrscheinlich, daß es auch bei Einrechnung der rezeptfreien Abtreibung insgesamt in Deutschland weniger Abtreibungen gibt als noch vor zehn Jahren. Aber es sind immer noch etwa 100.000 pro Jahr. Bei jeder einzelnen wird ein Mensch zerstört. Bei jeder einzelnen werden mehrere Menschen schwer schuldig.

Es ist für die Tatsache, daß Menschen vernichtet werden, irrelevant, ob diese Menschen bereits empfindungsfähig sind. Es ist nicht von Bedeutung, wie niedlich oder gescheit oder gut sie geworden wären. Es ist für die moralische Bewertung von Abtreibung nicht einmal von Bedeutung, ob das Kind lebensfähig gewesen wäre. Einen Menschen töten, weil er eh bald stirbt, ist genauso schlecht wie die Tötung eines gesunden Menschen.

Angenommen, ein Mensch stürzt so unglücklich, daß er an den Folgen stirbt. Für diese Tatsache ist es irrelevant, ob er ausgerutscht ist oder geschubst wurde. Für die moralische Bewertung ist es hingegen von Bedeutung. Das versteht jeder. Und warum ist dann der moralische Unterschied zwischen „Ungeborenes stirbt durch Krankheit oder Unfall“ und „Ungeborenes stirbt durch Tötung“ so schwer zu begreifen?

Advertisements

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter Höllisches abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Immer weniger – und viel zu viel

  1. Ethisch ist auch die Nidation völlig irrelevant. Eine befruchtete Eizelle ist eine befruchtete Eizelle, der Mensch wird vernichtet. Daß auf natürlichem Wege sich auch nur ein Teil der befruchteten Eizellen einzunisten vermag, ist kein Argument dafür, daß es es legitim sei, die Nidation aktiv zu verhindern. Das ist kein Russisch Roulette, das ist Russisch Roulette mit einer Kugel in jeder Kammer!

    Gefällt 1 Person

Kommentare sind geschlossen.