Fünfzehnte Tür

Gustav Schüler
Aus schwerer Not

Aus den finstern Unglücksgründen
Laß mich, Herr, den Ausweg finden!
Berge drängen sich zuhauf,
Dir mir alle Sonne rauben,
Aller Hoffnung hellen Glauben
Fangen diese Berge auf.

Ach, das arme Herz vor Zittern,
Weil die Stürme so gewittern,
Will nun gar in Stücke gehn,
König, dem die Meere schweigen,
Wolken, wie du’s willst, sich neigen,
Heiß‘ die Stürme stillestehn.

Hast mich ganz zum Grund gebogen –
Flügel, die sonst herrlich flogen,
Schleppen kraftlos hin am Grund,
Will ich dir zum Lobe singen,
So zerbrechen und zerspringen
Alle Worte mir am Mund.

Herr, mein Gott, dein Tun ist Gnade,
Finsterniserfüllte Pfade
Führe mich an deiner Hand –
Kniend lieg‘ ich zwischen Steinen,
Hörst du nicht mein schweres Weinen
Durch das nachtverdeckte Land?

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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