Pater Burkard O.P. Mein ganz persönlicher Nachruf.

Pater Burkard von den Dominikanern in Berlin-Moabit starb am 5. November, gut neunzigjährig. Sechzig Jahre lang war er mit Leidenschaft Seelsorger, und viele Berliner hatten ihn als gütigen Beichtvater kennengelernt. Ich wohne nicht in oder nahe bei Moabit und lernte ihn vor etwas über einem Jahr in anderem Zusammenhang kennen.

Ich wollte ein Gelübde ablegen und hatte mit einem anderen Priester darüber gesprochen. Der hatte mir geraten, auch mit P. Burkard zu sprechen, da dieser so viel Erfahrung habe.

Ich traf im Besprechungszimmer der Dominikaner einen im wörtlichen wie bildlichen Sinne aufrechten Geistlichen, der eine Art geistlicher wie geistiger Stärke und Freundlichkeit ausstrahlte. Er hörte mich wach und interessiert an, stellte mir dann viele Fragen und machte sich Notizen. Zwischendurch sagte er mehrmals, wie um Entschuldigung bittend, ich möge ihn nicht für inquisitorisch halten. Ich versicherte ihm, den Eindruck habe ich gar nicht.

Aber ich war ein wenig bange, was seine Einschätzung meines Unterfangens sein möchte. Denn ich hatte mir fest vorgenommen, auf ihn zu hören – und wenn er nun sagen würde: „Liebe Frau, schlagen Sie sich das mal schön aus dem Kopf“, dann würde ich auch auf ihn hören, aber es nicht im Wortsinn wollen.

Er fragte mich genau nach meiner persönlichen Situation, nach meiner Familie, meinem kirchlichen Leben, endlich auch danach, ob ein Gelübde, das die tägliche Feier der Heiligen Messe und tägliche Anbetung beinhaltet, praktisch auf jeden Fall möglich sei. Hier konnte ich sehr ruhig antworten – in Berlin kann ich mir täglich aussuchen, in welcher der vielen Kirchen ich zur Messe gehe, morgens oder abends, und in St. Clemens sogar mittags – und zur Anbetung offen ist St. Clemens immer, Tag und Nacht, und mehrere Kirchen in meiner Reichweite zumindest tagsüber.

Damit war für ihn soweit alles klar; er sagte bedächtig, daß aus seiner Sicht kein äußeres Hindernis bestehe. Etwas schüchtern fragte ich nun, ob er denn den Eindruck habe, daß mein Wunsch vernünftig sei. Er lachte ein wenig, sehr freundlich, und meinte, er sei kein Prophet – aber ich solle es ruhig machen, nur vernünftigerweise vorerst auf drei Jahre begrenzen. Er empfehle übrigens einen Termin, der mir irgendetwas sagt – mein Namenstag vielleicht, oder mein Taufdatum? – Beides sei mir ein wenig zu lang hin, wandte ich ein. – Nun, dann vielleicht einfach den ersten Adventssonntag, gleich zum Beginn des Kirchenjahres. (Das waren keine zwei Monate mehr.)

So geschah es also. Ich habe ihm wenige Monate später noch ganz kurz nach einer Messe sagen können, wie glücklich ich sei mit dem Gelübde – und ich sah, wie ihn das freute. Ich hätte ihm gerne nächste Woche, nach meinem „Einjährigen“, noch etwas ausführlicher gesagt, wie dankbar ich ihm bin und wie glücklich mein Gelübde mich macht. Stattdessen habe ich heute den Herrn gebeten, ihm das zu sagen. Und ich glaube, wenn ich kommenden Montag meinen ersten Jahrestag feiere, feiert Pater Burkard mit. Eingeladen ist er jedenfalls.

Gott, Pater Burkard ist nun bei Dir – vielleicht noch auf dem Weg, in dem Zustand der Sehnsucht, den wir Purgatorium nennen, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß er lange dort sein muss. Wie auch immer: Er hat heilig gelebt, hat Dich geliebt und seinen Nächsten geholfen, Dich zu lieben.
Ich danke Dir, Herr, dafür, daß Pater Burkard hier gelebt hat. Ich hatte in ihm einen weisen und gütigen Berater.
Gott, für mich ist heute ein Tag der Freude, weil ich dadurch, daß ich bei Requiem und Begräbnis für ihn beten konnte, ihm etwas vergelten konnte.
Halt ihn an Deinem Herzen, Herr, Du gnädiger Richter, Du großherziger König. Nimm ihn auf in die Schar Deiner Heiligen. Amen.

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Bei hartnäckigem Husten

Husten, geh, verlasse mich!
Nie will ich dich wiederhaben!
Du zerstörst der Stimme Gaben –
Husten, fort! Ich hasse dich!

Daß du außerdem mit mir
Nächtelang im Bett gelegen
Ohne priesterlichen Segen,
Nehm ich wahrhaft übel dir!

Ich hab nie „Ich will“ gesagt,
Und es können nicht bestehen
Zwischen Mensch und Husten Ehen,
Gleich wie laut der Husten klagt.

Husten, fort! Du musst nun fliehn
Vor des Kirchenrechtes Walten:
Hustenehe kann nicht halten,
Sagt auch Thomas von Aquin.

Wenn du nicht von selber fliehst,
Werd gerechten Krieg ich führen,
Lass den Hustensaft dich spüren,
Bis besiegt du niederkniest.

Waffen liefert Hildegard:
Eibisch, Thymian, Königskerzen.
Eukalyptus überm Herzen,
Kämpfe ich nach Christenart.

Husten, du entkommst mir nicht!
Mit Papst Gregor an der Seite
Scheuch ich dich in Wüstenweite –
Wart nur auf das Endgericht!

© Claudia Sperlich

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Darf man Urlaub von Gott nehmen?

Auf Facebook wurde diese scholastische Frage gestellt, und die Diskussion ist wirklich interessant.

Zunächst ist zu bemerken, daß es sowohl von „Gott“ als auch von „Urlaub“ zu verschiedene Auffassungen gibt, um die Diskussionsbeiträge klar gegeneinander abzuwägen.

Wenn man Gott als eine Art großen Freund sieht, der für einen da ist, wenn man Ihn braucht, einen aber sonst in Ruhe läßt, dann ist ein gelegentliches „Urlaub machen“ nicht nur möglich, sondern um der persönlichen Entwicklung willen auch nötig. Sieht man Ihn als Aufseher, der beurteilt, ob man auch nie die Messe schwänzt, ist ein Urlaub gefährlich, aber vielleicht das Risiko wert.

Allerdings sind diese beiden Gottesauffassungen zwar entgegengesetzt, aber gleichermaßen naiv. Im 60er-bis-80er-Jahre-Christentum gibt es starke Strömungen, die Gott als kumpelhaften Typen sehen, den man um Hilfe bitten kann, wenn man selbst nicht fertig wird, und der uns im übrigen einfach machen läßt. Diese Vorstellung widerspricht der immer fürsorgenden Güte Gottes ebenso wie Seiner richterlichen Vollmacht.
Die barocke und im 19. Jh. noch einmal auf sentimentalere Weise großgewordene Vorstellung des Gottes, der das Nasepopeln eines kleinen Jungen nicht nur genau sieht, sondern auch ahndet (z.B. mit dem nächsten aufgeschlagenen Knie) und der auf dem Gottesdienstbesuch besteht, weil Er es eben so haben will und basta, ist von kindlicher (oder kindischer) Angt geprägt, ebenso die Vorstellung eines Über-Arbeitgebers, der mich ununterbrochen antreibt, Gutes zu tun, und jede Erschöpfungspause ahndet.

Urlaub wird teilweise als Abwesenheit von der Messe, von anderen religiösen Verpflichtungen definiert, teilweise als Pause in der Gottsuche, als Zeit, in der Gott einfach „kein Thema“ ist, und einmal – sehr interessant – unter Bezugnahme auf Hiob als „Urlaub vor Seinem Zorn“. Gegenargumente sind: Wenn Gott das Leben selbst ist, kann man vor Ihm gar keinen Urlaub machen, das wäre wie aufhören zu atmen oder wie absolut nicht mehr lieben.

Der geäußerte Wunsch, ab und zu mal der Sonntagspflicht und anderen religiösen Pflichten nicht zu genügen, entspringt meiner Ansicht nach (und meiner eigenen Erfahrung nach!) einer unvollkommenenen Sicht auf die Messe. Wenn ich darin einen irgendwie gemeinschaftstiftenden Ritus sehe, in der real existierenden katholischen Ortsgemeinde aber gerade unschöne Erfahrungen mache (und noch nicht imstande bin, mein eigenes Anteil daran wahrzunehmen), dann wiegt das Argument „keine Lust auf Gottesdienst“ ziemlich schwer. Sehe ich aber in der Messe das heilbringende Opfer und in der Hostie Jesus Christus selbst, der sich mit mir vereinigen will, dann kann mich der unangenehmste Banknachbar, die schlampigste Liturgie und die schlechteste Predigt nicht davon abhalten, hinzugehen. Ich kann allerdings beides als Prüfung wahrnehmen und auch mit Gott hadern, was Er mir da schon wieder zumutet. Möglich, daß ich im Laufe der Zeit merke, wenn ich selbst erträglicher wäre und besser zu- oder im schlimmsten Fall weghören würde, wäre alles gar nicht so schlimm. (Anmerkung: Ich habe leicht reden – in meiner Gemeinde ist schöne Liturgie und kluge Predigt an der Tagesordnung. Aber ich kenne es auch anders.)

Wo „Gott kein Thema“ ist, fehlt meiner Ansicht nach dem Leben das Leben selbst. Mag sein, daß das als erholsam empfunden wird, aber nur, weil man sich von einer falschen Gottesvorstellung erholt. Es entsteht ein Vakuum im Leben, das mit Tätigkeiten gefüllt wird. So schön jede einzelne dieser Tätigkeiten sein mag, das führt zu einer Selbsterlösungslehre. Und solche Lehren haben noch nie auf Dauer Gutes gebracht.

Wenn ich Gott als die Liebe selbst sehe, den Allmächtigen, Allgütigen, der für mich grausames Leiden auf sich genommen hat, und dem ich in jeder Messe leiblich begegne, dann kann ich gar nicht Urlaub von Ihm wollen. Trotzdem gibt es immer wieder Momente, wo ich mich eben doch „beurlaube“, indem ich auf irgendeine Weise lieblos bin. Einen Mangel an Liebe nennt man auf katholisch „Sünde“. Sünde trennt von Gott. Wenn man sehr ehrlich zu sich selbst ist, merkt man wahrscheinlich eine ganze Menge kleiner Lieblosigkeiten, sei es aus Bequemlichkeit oder Zorn oder irgendeinem anderen Grund. Durch die Bitte um Vergebung, idealerweise im Sakrament der Beichte, kann der dadurch entstandene „Urlaub“ geheilt werden. Von Gott.

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Lietzenseepark im November

Ein bißchen wehmütig wirkt er nun – aber schön ist er immer, der Lietzenseepark. Lange hat ich dort nicht Zeit, aber für einige Bilder hat es doch gelangt.

Lietzenseepark im November - Chrysanthemen
Lietzenseepark im November
Lietzenseepark im November - Schilf
Lietzenseepark im November - Schilf
Lietzenseepark im November
Lietzenseepark im November
Lietzenseepark im November

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Nach einem anstrengenden Kurstag

… der durchaus interessant war, bei dem ich einiges gelernt habe – der aber mit einem Zitat aufhörte, das… nun ja…
Das folgende Sonett entstand in der Rekordzeit von zehn Minuten (Bahnfahrt und Fußgängertunnelbenutzung).

O Gott, bewahre mich vor den Zitaten,
Die salbungsvoll und wortreich mich belehren
Und, stammend von Autoren voller Ehren,
Mir, wie der Mensch sein soll, zu sehen raten!

Bei Kursen etwa kann ich mich nicht wehren,
Lass mich belehrt sein, doch nicht sacht gebraten!
Verhindre der Dozenten Freveltaten,
Die meinen Geist mit Ketzerwort beschweren!

Ich weiß ja, Herr, Du prüfst mich dann und wann.
So schicke, was Du willst, ich will es dulden!
Voll Demut seh ich meine eignen Schulden.

Du lässt in Deiner Weisheit vieles zu,
Erlaubst, daß Böses stört die Seelenruh –
Verschon mich aber, Herr, vor Drewermann!

© Claudia Sperlich

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Sechszeiliges Bekenntnis

Mein Gott

Mein Gott ist nicht nur mein.
Mein Herr ist Herr der ganzen Welt
und aller Menschen –
und doch ganz mein, und ganz
für jeden einzelnen das Leben lang,
für jeden, der nur will, in Ewigkeit.

© Claudia Sperlich

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Meine Kolumne für heute und morgen

Zu Beginn des Monats November gedenkt die Kirche aller Heiligen, bekannter wie unbekannter. Eine wie gewaltige Menge von Menschen ist das, die täglich wächst durch die vielen, die christlich leben und sterben! Die „Gemeinschaft der Heiligen“, zu der wir uns im Credo bekennen ist ja die Gemeinschaft all derer, die sich zu Jesus Christus bekennen – auch wenn wir heute nur jene feiern, von denen die katholische Kirche mit Sicherheit weiß, dass sie schon in Gottes Herrlichkeit sind.

Weiter geht es auf kath.net.

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Was am Katholizismus so klasse ist: Die Heiligen!

Der katholischen Kirche wird gern vorgeworfen, polytheistische Kulte zu praktizieren, wenn sie die Heiligen verehrt. Nichts könnte falscher sein. Denn Heilige sind nur deshalb heilig, weil sie den einen Gott lieben und weil der eine Gott sie aufnimmt.

Heilige sind zunächst einmal Menschen, und damit Sünder. Es gibt auch nicht einen bestimmten Menschentyp, der eben heilig wird, sondern es sind ganz verschiedene unter ihnen – gebildete und ungebildete, sanfte und aufbrausende Heilige, einige, deren Weg zur Heiligkeit recht geradlinig war, und andere, die viele Umwege gingen. Viele Heilige kamen auf Umwegen zur Heiligkeit – wie Augustinus, der erst verschiedene ganz und gar nicht heilige Lebensmodelle ausprobierte, oder Ignatius, der vom jugendlichen Gecken und karrierebewußten Offizier zum Ordensgründer und treuen Diener der Kirche wurde. Es gibt kein Heiligkeitsgen.
Gemeinsam ist ihnen die große Liebe zu Gott, der Wunsch, mit Gott zusammen zu sein, Ihm ganz und gar zu gehören. Einig ist ihnen auch die Liebe zur Kirche, die grundsätzliche Bejahung kirchlicher Lehre.

Heilige werden auch nicht angebetet, wie ein häufiger Vorwurf lautet – Anbetung gebührt allein Gott, das ist Katholiken durchaus bekannt. Man kann aber zu Heiligen beten, d.h. sie um Fürbitte bei Gott bitten. Das ist gar nicht viel anders, als einen noch auf Erden lebenden Freund um ein Gebet zu bitten. Nur ist der Heilige ganz sicher nicht abgelenkt, zweifelt nicht an dem Sinn der Fürbitte und weiß, worum er bitten soll.

Die Kirche „macht“ auch keine Heiligen; eine Heiligsprechung bestätigt nur, daß jemand bei Gott ist. Die Sicherheit darüber erlangt die Kirche durch genaue Untersuchung vom Leben und Sterben des Betreffenden und durch Gebet.

Heilige sind keine Nebengötter – sie sind Menschen in dem Zustand, den jeder Christ anstreben soll. Es geht dabei nicht um besonders schwierige Taten; niemand kann sich die Heiligkeit erarbeiten! Es geht nur darum, den dreieinen Gott zu lieben. Die erstaunlichen Fähigkeiten vieler Heiligen sind nicht Bedingung zur Heiligkeit, sondern ihre Frucht – sie sind immer eine besondere Gnade.

Ohne Liebe zu Jesus kann niemand heilig werden. Aber durch die Liebe zu Jesus – und durch Gottes Gnade – kann es jeder.

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Mittendrin Ost: Sehnsuchtsort – kommt und seht

Die Katholische Charismatische Erneuerung veranstaltet immer mal Kongresse und regionale Wochenendveranstaltungen mit dem Titel „Mittendrin“. „Mittendrin Ost“ fand vom 27. bis zum 29. Oktober im Gertrauden-Krankenhaus statt, vorwiegend in der Krankenhauskapelle.

Es begann am Freitagabend mit Lobpreis und einer kurzen Einführung der Referentin Pia Attard. Mit fast hundert Teilnehmern war die kleine Kapelle ziemlich voll, und so schön das war, gab es zu wenig Luft. Die meisten Leute kommen damit ziemlich gut zurecht, sehr im Widerspruch zu meinem Wissen über die menschliche Atmung, aber ich finde Luftmangel sehr anstrengend. Der Heilige Geist wehte dafür umso stärker! Charismatischer Lobpreis hat eine besondere Atmosphäre und ausgesprochen schöne Lieder – im Gegensatz zur Gattung Neues Geistliches Lied sehr bibel- und kirchentreu und mit fetzigen Melodien. Das Sprachengebet, das in einem solchen Lobpreisgottesdienst immer vorkommt, ist mir nicht gegeben, aber ich freue mich an dem Klang und daran, daß so viele diese Gabe haben.

Pia Attard aus Malta stellte sich und ihren Mann vor und gab eine charmante Einführung. Ihre in englischer Sprache gehaltenen Vorträge über karmelitische Spiritualität wurden übersetzt, was für mich sehr eindrucksvoll war: Ich verstand sie sehr gut, bekam aber jeden einzelnen Satz noch einmal auf Deutsch, so daß alles in anderer Art noch einmal gesagt wurde. Dadurch hörte ich sie sozusagen in sehr ruhigem Tempo und mit Erklärung.
Sie erinnerte uns, daß Heiligkeit nicht etwas ist, was nur die fernen großen Heiligen haben, sondern eine Aufgabe für jeden Christen. Ebensowenig ist Mystik etwas Fernes, Geheimnisvolles, irgendwie gar Esoterisches, sondern einfach eine innige Verbundenheit mit Jesus.

Zuletzt wurde der Eucharistische Segen erteilt, und der Eucharistische Herr wurde in einen sehr schön vorbereiteten Raum gebracht, wo nun während der ganzen Veranstaltung angebetet werden konnte. Es hatten sich sogar Leute gefunden, die die Nachtstunden übernahmen.

Der Samstag begann für mich mit leichtem Verschlafen und ausfallendem Frühstück. An der normalerweise spärlich besuchten 8.00-Uhr-Messe nahmen viele CE-Mitglieder teil, was den Klang der Kirchenlieder sehr verbesserte. Ich hatte mich von 9.00 bis 10.00 Uhr zur Anbetung eingetragen und ging bald nach der Messe zeitig hin. Von 9.00 Uhr an war ich etwa eine Dreiviertelstunde lang allein mit dem Herrn – eine unbeschreiblich schöne, stärkende und segensreiche Zeit!

Um 10.00 Uhr ging es wieder los mit Lobpreis. Das ist schon anders als der oft etwas schleppende Gesang der meisten normalkatholischen Gemeinden an Wochentagsmessen!

Die Referentin stellte im Laufe des Tages in drei weiteren Vorträgen drei Mystiker vor. Teresa von Avila gebraucht für die geistliche Reise durchs Leben die Bilder Weg, Berg und Wüste, wobei der „Berg“ verschiedene Bedeutungen haben kann – er ist einerseits der Ort der Gottesbegegnung (Horeb, Sinai, Tabor) und der Stabilität, andererseits kann er für feindliche Mächte stehen. Die Wüste ist der Ort geistlicher Durststrecken, die sich im Nachhinein als notwendig und heilsam herausstellen.
In ihrem Werk „Die innere Burg“ legt sie dar, daß der Weg zu Gott nicht eine physische Wegstrecke ist, sondern ein Vordringen in die eigene Seele, da der Leib ja Tempel Gottes ist. Diese innere Burg hat sieben „Wohnungen“, von denen immer eine kostbarer ist als die andere, aber die ersten Wohnungen bergen durchaus Gefahren (z.B. ist die „dritte Wohnung“ eine Art behagliches Christsein, in dem man gute Werke vollbringt und brav zur Kirche geht und sich damit so richtig gut fühlt, ohne seine eigene Kleinheit und die mangelnde Gottesliebe zu bemerken).

Johannes vom Kreuz bezeichnet das so notwendige wie schreckliche Erleben der Gottesferne als „Dunkle Nacht der Seele“ und weist auf, wie gerade in solchen Zeiten der scheinbaren Abwesenheit Gottes in Wirklichkeit Gott in besonders intensiver Art da ist, den Menschen „durch die Wüste trägt“ und zu höherer Einsicht bringt.

Thérèse de Lisieux hat einen ganz unmittelbaren, naiv scheinenden und dabei sehr reifen Begriff der Heiligkeit. Sie sieht Heiligkeit darin, sich wie ein Kind völlig in Gottes Hand zu geben, gleich was geschieht. Ein besonderes Anliegen ist ihr die beständige Dankbarkeit und das Wahrnehmen anderer Menschen als von Gott geliebten Mitmenschen.

In einem weiteren Abschnitt des Tages hatte man die Wahlmöglichkeit zwischen einer Buchvorstellung von Margarete Dennenmoser und einem Lobpreis-Workshop. Ich entschied mich für Letzteres. Eine junge Katholikin, die im ökumenischen Gebetshaus Berlin aktiv ist, und ihr evangelischer Kollege brachten uns näher, wie ein musikalischer Lobpreis organisiert wird und abläuft. Hier hätte ich gerne noch intensiver experimentiert, wir hatten nur kurz Gelegenheit, unsere Stimmen auszuprobieren und uns im improvisierten Wechselgesang zu üben. Mir machte das Lust, zu Hause sowohl das Stundengebet als auch den Rosenkranz zu singen, und zwar alles, auch die Lesung des Stundengebets in improvisiertem Gesang. Das gibt dem Gebet, wie ich finde, mehr Ruhe und hilft mir, mich auf den Text besser zu konzentrieren. Gerade beim Rosenkranzgebet verhindere ich so ein „Leiern“.

Später warf ich noch einen Blick auf den Büchertisch; u.a. lagen sehr schön illustrierte Jugendbücher des evangelikalen Autors Max Lucado aus, die mir nach einem kurzen Anlesen durchaus lesenswert scheinen.

Der Wechsel von Lobpreis, Gebet und Vortrag ist sehr schön. Nicht so schön war, daß durch einen Kommunikationsfehler in der Kaffeepause zwar Pause war, aber kein Kaffee – und ich hatte noch immer keinen Tropfen Kaffee zu mir genommen. Außerdem sind fast hundert Menschen in einer kleinen Krankenhauskapelle zwar sehr erfreulich, allerdings führen sie auch zu Sauerstoffmangel. Ich war nach dem dritten Vortrag, so interessant er war, wirklich ziemlich fertig. Es gab dann eine Abendsuppe und danach weiteren Lobpreis und Segnungen, aber da konnte ich wirklich nicht mehr. Ich ging noch kurz zur Anbetung und dann nach Hause.

Am Sonntag schaffte ich Dank der Zeitumstellung, sowohl auszuschlafen als auch zu frühstücken. Ich war wieder von 9.00 bis 10.00 Uhr zur Anbetung eingeteilt und wieder zeitig da, und diesmal war es noch schöner, in mir war so viel Ruhe (vielleicht lag es auch daran, daß in mir nun auch Kaffee war)! Etwa eine Dreiviertelstunde lang war ich allein mit Ihm.

Kurz vor 10.00 Uhr fanden sich noch einige andere ein. Dann kamen zwei Priester, der eine erteilte den Eucharistischen Segen, und mit dem Herrn zogen sie wieder in die Kapelle. Dort sangen wir wieder den Lobpreis. Die Kinder und Jugendlichen sollten dann erzählen, was sie gemacht hatten – trauten sich aber vor den vielen Menschen nicht so ganz, also übernahm die Leiterin des Jugendprogramms. Sie hatten offenbar sehr einträchtig gespielt, gebacken und gebetet, biblische Geschichten gehört und darüber gesprochen. Keines der Kinder wirkte gelangweilt oder maulig, nur ein Junge schien mir ziemlich müde – aber das ist ja kein schlechtes Zeichen bei zweieinhalb so randvollen Tagen.

Wir feierten eine lange und schöne Messe mit viel Gesang und einer guten Predigt. Neben mir saß ein behinderter Junge, der große Freude am Mitsingen hatte, obwohl er die Worte nicht richtig artikulieren konnte. Ich half ihm, die einzelnen Lieder aufzuschlagen, denn damit hatte er Probleme, es war ihm aber offenbar wichtig. Beim Friedensgruß strahlte er mich übers ganze Gesicht an.

Als einziges Manko empfand ich, daß die vielen Dankesworte an alle, die zu diesen segensreichen Tagen geholfen hatten, vor dem Schlußsegen gesprochen wurden und die ganze noch so berechtigte Beifallklatscherei in der Messe stattfand. Lieber wäre mir gewesen, diesen Teil nach dem Schlußsegen stattfinden zu lassen!

Den Abschluß bildete das gemeinsame Mittagessen in einer fröhlichen Aufbruchstimmung.

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Von Frauen, Macht, Pullundern und der Kirche

Christiane Florin studierte Politikwissenschaft, Neuere Geschichte und Musikwissenschaft, wogegen nichts zu sagen ist. Außerdem schreibt sie Bücher. Ihr jüngstes Werk „Der Weiberaufstand. Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen“ (Mai 2017) tourt sie gerade durch Deutschland. Dagegen habe ich einiges zu sagen.

Einen ersten Eindruck kann man durch Frau Florins Artikel in der Zeit bekommen, einen zweiten auf der Homepage des Buches.

Peter Winnemöller hat über diesen Schmarrn schon im Mai so Hervorragendes geschrieben, daß ich mir eine ausufernde Kritik an dem Buche erspare, ja wirklich, ich als Weib finde, Winnemöller als Mann hat beinahe genug gesagt.

Aber aus zwei Gründen ganz kann ich das Schreiben zu diesem Thema nicht lassen. Der erste Grund ist der Untertitel: Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen. Es geht der Autorin also um Macht.

Zunächst mal ist es ein radikaler Machtverzicht, Priester zu werden. Bei der Weihe verspricht der Kandidat, lebenslang zu dienen, und unterwirft sich Gott in dem drastischen Zeichen der Prostratio vor aller Augen. Selbstverständlich hat ein Priester Autorität innerhalb der Gemeinde – aber nicht aus eigener Macht, sondern aus Gnade. Je höher er im Rang steigt, desto mehr Menschen dient er. Ja, es gibt Machtstrukturen in der Kirche, weil es notwendig verschiedene Ränge gibt. Aber anders als in einem weltlichen Verein oder einem Konzern wünscht sich kein Mensch, der alle fünf Sinne beisammen hat, an die Spitze zu steigen.
Dann ist Macht an sich eine in dieser Welt leider notwendige Sache, wenn irgendetwas erreicht werden soll. Gerechtigkeit ohne Macht ist nichts wert. (Daß Macht ohne Gerechtigkeit furchtbar ist, steht auf einem anderen Blatt – hier ist die Rede von der Kirche, die dem gerechten Gott gehört.) Frau Florin sagt: „Die Worte „Macht“ und „Kontrolle“ stehen in keinem lehramtlichen Schreiben zum Thema“ – da hat sie Recht, denn es geht nicht wesentlich darum, und sie fährt fort: „gerade deshalb stehen sie im Raum, sobald über Amt, Sakrament und Institution diskutiert wird“ – da hat sie Unrecht, denn es geht der Kirche um Gott, der allein alle Macht hat, und um das Heil aller Menschen, und basta.

Nun findet Frau Florin es ungerecht, daß Frauen nicht Priester werden können. Ich will hier nicht zum hunderttausendsten Male die Gründe wiederkäuen, warum das Priesteramt Männern vorbehalten ist – ich verweise auf die Bibel, den CIC, den Katechismus der katholischen Kirche. Mir fällt zu diesem ewigen Vorwurf der Ungerechtigkeit nur dies ein: Es ist nicht ungerecht, daß Männer keine Hebammen werden können. (Zwar gibt es Geburtshelfer – aber es wird fast allen Gebärenden erheblich lieber sein, von einer Frau Beistand zu erfahren.) Es ist auch nicht ungerecht, daß Männer nicht gebären können. (Zwar gibt es seltsame Versuche, Menschen dahingehend „umzubauen“, daß das doch geht – aber jeder kann sehen, daß das nicht in Ordnung ist.)

Was mich aber wirklich kränkt, ist Frau Florins ewige Insinuation, ausschließlich Männer (die Bösen) seien gegen Frauenordination, während Frauen (die Guten) ihr selbstverständlich beipflichten. Das zementiert sie mit einer geschickten Auswahl von Lob und Kritik an ihrem Buch – Peter Winnemöller und Johannes Schröer äußern fundamentale Kritik, viele Frauen und Männer äußern hohes Lob oder mindestens Achtung, keine Gegnerin der Frauenordination wird zitiert. Doris Wiese-Gutheil, Pressereferentin der katholischen Stadtkirche Frankfurt, weiß gar, „… dass viele Frauen in der katholischen Kirche gar nicht mehr für Gleichberechtigung kämpfen. Die älteren haben resigniert und begnügen sich in großer Zahl mit dem Ehrenamt, die jüngeren interessieren sich gar nicht mehr für die Kirche als Institution.“

Ich kämpfe deswegen nicht für Gleichberechtigung in der Kirche, weil es sie gibt. Ich bin als Frau getauft und gefirmt, bin vollwertige Christin mit allen Rechten und Pflichten, die das mit sich bringt, empfange als Frau den Leib des Herrn, gehe als Frau zur Beichte, durfte als Frau ein Gelübde ablegen, bin für die Kirche Lektorin und Dichterin, bekomme Hilfe von ihr, wo ich sie brauche, und helfe ihr, wo ich kann – wenn es nottut, als Verteidigerin gegen die dumme Welt. Ich habe in der Kirche die gleichen Rechte wie der Papst (und ein paar mehr, z.B. die Freiheit des Aufenthaltsortes), nur nicht die gleichen Fähigkeiten und Möglichkeiten. (Der Heilige Vater hat auch nicht die gleichen Fähigkeiten und Möglichkeiten wie eine Frau.)

„In der Kirche sind Frauen Platzanweisungsobjekte“, weiß Frau Florin. Nein! In der Kirche, und nur in ihr, sind Frauen frei trotz einer Welt, die Frauen ständig in die eine oder andere Richtung zerren, für irgendwelche Agenden benutzen oder gleich verbrauchen will. Die Kirche versichert mir täglich neu, was ich in meiner atheistischen Familie nie gelernt habe: Ich bin als Kind Gottes zur Freiheit berufen.

Frauen, die Christiane Florin widersprechen, kommen in Christiane Florins Weltbild nicht vor (sie erwähnt nur kurz das Desinteresse ihrer pubertierenden Tochter an ihrem Buch). In allem, was ich von Florin zum Thema ihres Buches lese, sind Männer bestenfalls in vorsichtiger Annäherung an ihre Meinung begriffen, sind meist irgendwie spießig (tragen Pullunder!), haben festgefahrene Meinungen, mit denen sie ihre Macht zementieren – oder so ähnlich. Frauen werden von ihr zitiert, wenn sie ihr Buch hervorragend oder zumindest bemerkenswert finden, wenn sie Priesterinnen sehnlichst wünschen oder zumindest leise ersehnen. Frauen wie ich kommen bei ihr nicht vor. Da wird nur eine andere Frau zitiert, daß ältere Frauen „resigniert“ haben.

Und das ist eine Unverschämtheit sondergleichen! Ich gehöre vollständig, mit allem, was ich bin und habe, dem Herrn Jesus. Durch Seine Kirche schenkt Er sich mir jeden Tag neu. In Seiner Kirche ist die einzige Möglichkeit für mich, alles, was ich kann, zu Seiner Ehre zu geben. Nichts anderes will ich. Er, der die Kirche auf den Fels Petrus erbaut hat, ist der Einzige, der absolut über mich zu bestimmen hat. Er hat, wie die Kirche lehrt, ausschließlich Männer zu Seinen Priestern bestimmt. Daran ändert auch nicht, daß das Wort „Apostel“ an verschiedenen Stellen der Bibel in verschiedener Bedeutung benutzt wird (nämlich einerseits gegenüber den Zwölfen als „von Gott gesandter Bote“, andererseits gegenüber allen von der jungen Gemeinde zu verschiedenen Diensten beauftragten Christen als „von der Gemeinde bestellter Bote“).

Frau Florin tut so, als gebe es Frauen wie mich nicht – weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Sie tut so, als sei eine Katholikin, die keine Priesterinnen will, etwas völlig Undenkbares – als wären solche Vögel wie ich bestenfalls zu pathologisieren.

Ich bin ein Weib, und obendrein kein gutes“ – kann mich mit der großen Kirchenlehrerin nicht messen, aber für eines bin ich gerade noch gut und gescheit genug: Zu wissen, daß die katholische Kirche Recht hat, weil sie durch Christus auf Petrus, den Fels, gebaut ist.

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