Kinder auf Deubel komm raus

Die Kinderwunsch Tage fanden 17./18. Februar 2018 in Berlin im Mercur-Hotel stattfand und sind für den 13./14. Oktober in Köln geplant. Gemeint ist der Kinderwunsch von Menschen, die keine Kinder zeugen oder gebären können – weil sie steril sind oder in Partnerschaften leben, die für die Weitergabe von Leben ungeeignet sind.

Zahlreiche Samenbanken werben für ihre Dienste. Der Gefahr, unzählige Halbgeschwister zu produzieren, begegnen einige Länder mit Beschränkung der Abgaben pro Spender. Die Berliner Samenbank ist großzügiger: „Sie gewinnen in der Regel einmal pro Woche eine Samenprobe innerhalb der Räumlichkeiten der Berliner Samenbank über einen Zeitraum von ca. einem Jahr.“
Eltern von Samenspenderkindern klären auf, wie wundervoll das ist. Meinem Unbehagen, Liebe, Sex und Zeugung vollständig voneinander zu entkoppeln, wird mit dem Vorwurf des Hasses auf Samenspenderkinder begegnet (der mir fernliegt); ich sei ja von der Kirche abhängig, die Frauen schon immer unterdrückt habe. Ich frage, ob die Gefahr vieler Halbgeschwister (und dadurch versehentlicher Verwandtenehen) unwichtig sei. Mein Gegenüber erklärt, das Inzesttabu sei sinnlos; wenn Geschwister sich wirklich lieben, dürfe man ihnen das nicht verbieten. (Jetzt spricht sie bereits von Geschwistern ersten Grades, die zusammen aufwachsen.)
Daß bei Samenspenden mehrere Eizellen befruchtet werden und in der Regel die Menschlein bis auf eines weggeworfen werden, bleibt unerwähnt.

Neuerdings haben Samenspenderkinder in Deutschland das Recht, ihren biologischen Vater kennenzulernen. (Spenden bleiben anonym, aber Spenderdaten werden verschlüsselt erfasst.) Und wenn das pubertierende Kind seinen Erzeuger kennenlernen will, mit den Eltern aber nicht darüber sprechen mag? Kein Thema bei dieser Veranstaltung – aber es interessiert mich schon, wie ein 14jähriger damit fertigwird, gerne in Abwesenheit seiner Eltern und ohne ihr Wissen mit seinem Erzeuger zu reden. – Kindern aus Samen- oder Eizellspenden aus dem Ausland kann die Möglichkeit, den biologischen Elternteil zu kennen, ganz vorenthalten werden.

„Hier konnte ich meine Mutterschaft auf später verschieben“ wirbt Dexeus Mujer, Spanien. „Ihre Eizelle wird bei uns verschönert“ wirbt Fertimed, Tschechien. Eizellen einfrieren oder manipulieren, sich in der Jugend als Wirtschaftsfaktor verbrauchen und im fortgeschrittenen Alter Mutter werden, als Greisin dem Kind zur bestandenen Ausbildung gratulieren – ist das Emanzipation? Ist das kinderfreundlich?

Aus Spanien, Griechenland, den USA und der Ukraine stellen sich verschiedene Leihmutteragenturen vor. Die Frage, ob Leihmütter manchmal Schwierigkeiten haben, ein fremdes Kind auszutragen, wird von allen klar verneint.
Auf die Frage, was geschieht, wenn das Baby in der Leihmutter behindert ist, erhalte ich regelmäßig die Antwort: „Das kommt auf den Vertrag an; wenn die Wunscheltern vertraglich festgelegt haben, daß sie das Kind auf jeden Fall nehmen, wird es ausgetragen.“ Darüber, daß es auch andere Verträge gibt und dann anderes geschieht, wird stets geschwiegen. Alle Anbieter stellen die Leihmutterschaft als einen wunderbar altruistischen Akt dar.

Chef der IARC Surrogacy (USA) ist ein Jurist, dessen leutselige Erklärung ich aus dem Gedächtnis und in meiner Übersetzung zitiere: „Stellen Sie sich vor, wir wären verheiratet und könnten keine Kinder haben. Nun nehmen wir eine Eizelle von Ihnen und ein Spermium von mir und befruchten die Eizelle im Labor. Das ist dann unser Kind. Und nun fragen wir herum, wer unser Kind austragen möchte. Und nun meldet sich eine Frau, die sagt: „Ich möchte euch helfen, ich stelle euch meinen Leib zur Verfügung.“ Sie gibt also den Leib her, trägt das Kind aus – dabei ist aber ganz klar, daß sie uns einen Gefallen tut und es nicht ihr Kind ist. Dann gebiert sie das Kind, gibt es uns – das ist alles.“

Es gingen bereits mehrere Fälle durch die Presse, in denen Leihmütter das Kind nicht hergeben wollten. Eine Leihmutter weigerte sich, das behinderte Kind auf Wunsch (oder eher Befehl) der Eltern abzutreiben, trug es aus und bekam das zugesagte Geld nicht. Eine andere war mit Drillingen schwanger und verweigerte die vom Vater geforderte Abtreibung eines der drei.

Spenden werden nach Phänotyp und besonderen Talenten des Spenders sortiert. Man kann Aussehen und Talente des Wunschkindes im Katalog aussuchen. Vielleicht bald auch einen Mangel an Neugier in der Pubertät, wer weiß.

Einige Anbieter gehen heutzutage zum „Single-Eizellen-Transfer“ über, damit der Embryo sich Umgebung und Versorgung im Mutterleib nicht mit anderen teilen muss (bei Mehrlingen ist Sauerstoffmangel häufig). Daß allerdings auch dann der stärkste Embryo behalten wird, seine Geschwister aus der Retorte aber weggeworfen werden, wird verschwiegen.

Eine Frau bietet Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch verschiedene Hilfsmöglichkeiten an, darunter Massagen (da, wie sie sagt, häufig innere Spannungen die Sexualorgane blockieren), Heilkräuter und Ernährungsberatung sowie Yoga. Im Stillen frage ich mich, warum man nicht einfach Massagen, Heilkräuter und Ernährungsberatung anbieten kann, Ayurveda und Yoga aber weglassen – dann wäre es richtig gut. Verglichen mit einem sich modern-wissenschaftlich gebenden Stand einer Firma, die Vitaminpräparate zur Steigerung der Fertilität für Männer und Frauen vertreibt, sind die Methoden recht glaubwürdig.

Unvermeidlich der Stand, der Aufkleber gegen Homophobie (wörtlich „Angst vor Gleichen“, die habe ich manchmal beim frühmorgendlichen Blick in den Spiegel, aber so ist es nicht gemeint) verteilt und für die Akzeptanz von Regenbogenfamilien aller Art wirbt. Hier bin ich nach sechs Stunden Fragen, Schauen und Notieren nicht mehr fähig, mich auf ein Gespräch einzulassen. Ich nehme einen Aufkleber (dann wird wenigstens einer nirgendwo hingeklebt) und gehe.

Zuletzt die wenigen Lichtblicke:

Die deutsche Firma Exeltis stellt einen Ovularring mit Minicomputer her, der die Scheidentemperatur misst. Das Ergebnis kann im heimischen PC hochgeladen werden, die Frau bekommt einen Überblick über ihre fruchtbaren Tage zur zuverlässigen Prognose des Eisprungs.

Findefux
ist ein 2006 gegründeter spendenfinanzierter Verein mit Sitz in Bochum und laut Flyer „der erste nicht-staatliche, weltanschaulich und politisch ungebundene Träger einer staatlich anerkannten Adoptionsvermittlungsstelle für Inlandsadoptionen in Deutschland“. Auch betreibt Findefux eine Beratungsstelle für ungewollt Schwangere und Mütter in Überforderungssituationen. Laut Flyer arbeitet die Beratungsstelle „ausschließlich und unmittelbar zum Wohl des Kindes mit Fokus auf die leiblichen Eltern“ und müht sich, deren „Rabeneltern-Image“ zu bekämpfen.

Die Deutsche Klinefelter-Syndrom Vereinigung e.V. stellt sich den Menschenmachern entgegen. Das Klinefelter-Syndrom ist eine Chromosomenabweichung, die nur bei Jungen vorkommt und mit Testosteronmangel einhergeht. Betroffene können Lernschwierigkeiten haben, können verträumt, dünnhäutig und scheu sein. Fast immer sind sie zeugungsunfähig.
Sie können, wie die beiden Männer an dem Stand, freundliche, gescheite und selbstbewußte Menschen sein, Verfechter absoluten Lebensrechtes, die sich nicht manipulieren lassen.
Über diesen Verein werde ich wahrscheinlich noch ausführlicher bloggen. Einstweilen nur dies:
Klinefelter-Kinder werden oft abgetrieben – weil sie nicht in die Norm passen. Und das ist wiederum alles andere als ein Lichtblick.

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Terminänderung

Es ist zwar noch ein bißchen hin bis zu meiner Buchvorstellung in der Arche Potsdam, aber wer sich den Termin schon neulich eingetragen hat, soll nicht enttäuscht werden.
Ursprünglich war der 5. Juni geplant, aber nun ist es

Dienstag, 26. Juni 2018
19.30-20.30 Uhr
Buchvorstellung: Die Befreier – Geschichten von Verwandten, Nachbarn und anderen Dämonen
Arche Potsdam
Am Bassin 2
14467 Potsdam (schräg gegenüber von St. Peter und Paul)

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Weil Fastnachtsdienstag ist

Im schönen Bistum Aachen
will man die Lehr‘ verflachen.
Der Bischof spricht: „Gott schuf uns so!“
Ein Facebook-Leser, drob nicht froh,
sagt, er sei zwar nur halber Christ,
doch dieses Bischofswort sei Mist
.
Der Referent ist sehr modern
und hilft dem halben Christen gern:
„Auch wenns kreationistisch scheint,
hat er’s so wörtlich nicht gemeint.“

Im schönen Bistum Freiburg
am Altar rasch vorbeigurk:
Mit Hexenmasken alte Tanten
umtänzeln hier den Zelebranten
bei sogenannter Narrenmesse.
(Zur Ehre Gottes. Meine Fresse.)
Zwar glaub ich, daß man ExodusExodus
hier nicht ganz wörtlich nehmen muss
und lass die alten Hexen leben –
ich bitt sie nur, sich wegzuheben.

Im schönen Bistum Essen
hat man die Lehr‘ gefressen.
Man teilt an die Besucher aus
den Fragebogen „Gotteshaus“,
da kreuzt man an – ja, ungelogen! –
auf einem deutschen Fragebogen,
ob Predigt und Musik genehm,
der Pfarrer nett, die Bank bequem.
Doch ungefragt bleibt, wie man findet,
daß Christus sich mit uns verbindet.

Im schönen Bistum München
will man die Lehre tünchen.
Da sagt der Bischof: „Segen
kriegt jeder allerwegen

für alles Tun und Lassen –
bloß nicht die Sünde hassen!“
Was hierzu sagt der Katechismus –
für Exzellenz ists Rigorismus.

Im schönen Bistum Münster
ists auch schon ziemlich finster.
Man feiert wie die Heiden
und mag Verzicht nicht leiden:
Am Freitag in der Fastenzeit
steht für die Jugend schon bereit
ein Kochkurs, Motto: Griechengötter.
Das ist doch Futter für die Spötter!
(Doch immerhin gibts dort Romanik,
das mildert wesentlich die Panik.)

Im schönen Bistum Hamburch
ist auch schon bald der Damm durch:
Acht Schulen der Katholen
zu schließen, ward empfohlen

Sanierung kostet zu viel Geld.
Die Schüler aber sind verprellt!
Die Eltern waren zwar bereit
zu opfern Können, Geld und Zeit,
auch hat man reichlich Kirchensteuer –
doch nein: Die Bildung ist zu teuer!

In einem Bistum nur sind alle
am rechten Ort in jedem Falle!
Ob Tradi oder liberal,
hier hast du täglich reiche Wahl,
wo du zur Messe willst und wann,
und jeden Tag man beichten kann.
Dies schöne Bistum ist Berlin!
Wär ich nicht dort, ich zöge hin.

© Claudia Sperlich

***

Wer mehr will – heute ist auf Radio Horeb von 14.00 bis 15.00 Uhr eine Pannen-Serie zu hören. EDIT Voraussichtlich gibt es im Rahmen der Katechismus-Serie um 16.30 Uhr eine Reimpredigt, die von mir verdichtete Prosavorlage eines Priesters.

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Ein guter, alter Rat…

… um eine gute, neue Regierung zu bekommen, findet sich am Ende von Georg Büchners „Leonce und Lena“:

Leonce: Nun Lena, siehst du jetzt, wie wir die Taschen voll haben, voll Puppen und Spielzeug? Was wollen wir damit anfangen? Wollen wir ihnen Schnurrbärte machen und ihnen Säbel anhängen? Oder wollen wir ihnen Fräcke anziehen, und sie infusorische Politik und Diplomatie treiben lassen und uns mit dem Mikroskop daneben setzen? Oder hast du Verlangen nach einer Drehorgel auf der milchweiße ästhetische Spitzmäuse herumhuschen? Wollen wir ein Theater bauen? (Lena lehnt sich an ihn und schüttelt den Kopf.) Aber ich weiß besser was du willst, wir lassen alle Uhren zerschlagen, alle Kalender verbieten und zählen Stunden und Monden nur nach der Blumenuhr, nur nach Blüthe und Frucht. Und dann umstellen wir das Ländchen mit Brennspiegeln, daß es keinen Winter mehr gibt und wir uns im Sommer bis Ischia und Capri hinaufdestilliren, und wir das ganze Jahr zwischen Rosen und Veilchen, zwischen Orangen und Lorbeern stecken.

Valerio: Und ich werde Staatsminister und es wird ein Dekret erlassen, daß wer sich Schwielen in die Hände schafft unter Kuratel gestellt wird, daß wer sich krank arbeitet kriminalistisch strafbar ist, daß jeder der sich rühmt sein Brod im Schweiße seines Angesichts zu essen, für verrückt und der menschlichen Gesellschaft gefährlich erklärt wird und dann legen wir uns in den Schatten und bitten Gott um Makkaroni, Melonen und Feigen, um musikalische Kehlen, klassische Leiber und eine kommode Religion!

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χ451 – die Februarnummer ist da!

Auch in dieser Nummer der jungen „Fanzine des katholischen Glaubens“ χ451 findet sich ein Aufsatz von mir, zum Thema Sühne. Der Herausgeber Sebastian Berndt schreibt über Berufung und Umkehr, Silvia Berndt über Wüstenerfahrung. Johannes Chrysostomos kommt zu Wort, und der mir bis dato ganz unbekannte Heilige Konrad von Piacenza wird vorgestellt. Auch eine Buchvorstellung gibt es.

Und all dies ist, wie immer, ausschließlich als Printmedium sehr schöner Qualität zu haben, es ist unbezahlbar, da gratis, und kann bestellt werden (auch in größerer Stückzahl zum Verteilen) bei

Sebastian Berndt
Emilienstraße 1
D-99817 Eisenach
fanzine@X451.de

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Darstellung des Herrn

Hannas Lied
Melodie: Den Herren will ich loben (GL 395)

Der Ewge sei gepriesen,
Der Israel erhält!
Den die Propheten wiesen,
Als Kind kam Er zur Welt!
Er wird den Feind bezwingen,
Er baut den Tempel neu,
Er wird uns Frieden bringen,
Und Heiden werden treu.

Er wird wie David walten
Als einzig guter Hirt,
Das Land auf ewig halten,
Uns nähren wie ein Wirt.
Und ewig wird bestehen
Des Herren Heiligtum!
Die Völker werden sehen:
Dies Land ist Gottes Ruhm.

Er wird die Welt bekehren,
Damit sie Gott erkennt,
Er wird die Liebe lehren,
Die Gott den Vater nennt,
Wird alle Schulden zahlen
Und heilen, was versehrt.
Dann wird die Welt erstrahlen,
Dann wird der Herr verehrt.

© Claudia Sperlich

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Was am Katholizismus so klasse ist: Der Rosenkranz!

Der Rosenkranz ist keineswegs eine Vergottung Marias, wie den Katholiken gern vorgeworfen wird. Er beginnt feierlich mit dem Kreuzzeichen und den Worten:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Im Namen des Dreieinen Gottes wird gebetet, das wird gleich klargestellt. Der Glaube an Ihn wird anschließend bekannt mit dem Apostolische Glaubensbekenntnis, der Formel, mit der Christen sich und einander ihres verbindlichen Glaubens versichern:

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde…

Ich erspare mir hier einen Credo-Kommentar; nur so viel: „katholisch“ bedeutet „allgemein“, „allumfassend“. Eine Zusammenstellung von Aufsätzen und Glaubenszeugnissen verschiedener jetzt lebender Katholiken zum Credo ist das lesenswerte Büchlein „Dem Credo auf der Spur“ (Hg. Petra Lorleberg).

Auf das Credo folgt das Gloria:

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Jeder Person der Trinität einzeln und allen zusammen als dem Einen Gott gebührt Ehre, und das in der gesamten Zeit von Anfang bis Ende und in der Ewigkeit. Ewigkeit ist nicht eine unendlich lange Zeit, sondern eine andere Kategorie, das von der Zeit unabhängige Sein Gottes, und das unzerstörbare Sein der Menschen in Seiner unmittelbaren Nähe, nach diesem Leben. In diesem unendlichen und herrlichen Zustand ist alles zu Gottes Ehre; das Gloria bejaht und feiert Ewigkeit und Ehre Gottes.

Vor den drei zusammenhängenden Perlen und vor jedem Gesätz betet man das

Vater unser.

Mit dem wichtigsten Gebet der Christenheit wird also jede Reihe „Ave Maria“ eingeleitet. Der Vater im Himmel ist der Anfang von allem.
Ihm sei Ehre – und deshalb wird nach den ersten drei „Ave Maria“ und nach jedem Gesätz wieder das Gloria gebetet.
Das Gebet zum Vater, das Bekenntnis und Bitte beinhaltet, und die Ehrerbietung vor dem Dreieinen Gott bilden den Rahmen um das wiederholte Ave Maria.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes,
Jesus (…).
Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder
jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Nach dem Namen Jesu wird ein Glaubensgeheimnis eingefügt. Jesus, den du, o Jungfrau, geboren hast. Jesus, der für uns gekreuzigt wurde. Jesus, der wiederkommen wird in Herrlichkeit… Diese Geheimnisse handeln immer von Jesus Christus(auch im freudenreichen Rosenkranz, wo es um die enge Beziehung zwischen Mutter und Sohn, zwischen Maria und Jesus geht). Von der Menschwerdung bis zur Wiederkunft dreht sich das Ave Maria im Rosenkranz nur um Ihn; wir betrachten Ihn durch die Augen Seiner Mutter.

Jedes Gesätz besteht aus zehn Ave Maria; zehnmal am Stück schaut der Beter gemeinsam mit Maria ein glaubenswichtiges Ereignis aus Jesu Leben an. Die Wiederholung lässt das Gebet wirklich zu einer Betrachtung werden; der Beter verinnerlicht die einzelnen Stationen des Lebens Jesu ebenso wie Marias mütterliche Liebe.

Jedes Gesätz wird wieder abgeschlossen mit dem Gloria, der Ehrung des Dreieinen Gottes. In neuerer Zeit kommt noch ein optionales Gebet nach jedem Gloria hinzu, das von den Seherkindern von Fatima überliefert ist:

O mein Jesus, verzeihe uns unsere Sünden; bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.

Der Rosenkranz ist ein Jesusgebet. Der Beter bittet Maria als Mutter und Freundin um Fürbitte – das ist nicht viel anders, als wenn er eine liebe Nachbarin um Fürbitte angeht, nur daß Maria nie unwillig oder abgelenkt ist und immer Zeit hat als Tochter, Mutter und Braut des Herrn; ich schrieb schon darüber.)

Durch das Rosenkranzgebet kommt nicht nur der Beter selbst zur Ruhe und oft auch auf gute Gedanken. Der Rosenkranz ändert auch die Umwelt des Beters – hilft, oft merkbar und wunderbar, in schweren Anliegen, ändert oft den, für den er gebetet wird. Meine wunderschönen Erfahrungen mit dem Rosenkranz bei einer Demonstration und beim Verlaufen im Nebel habe ich beschrieben. Wer Größeres sucht, kann nach Lepanto googeln.

Rosenkranz

Ein Kreuz und neunundfünfzig Perlen gleiten
Durch meine Finger, stetig, ohne Hast.
Bei Jesus und Maria halt ich Rast,
Sie helfe mir, für Ihn mich zu bereiten.

In alle Tage meines Lebens passt
Zu allen stürmischen und ruhigen Zeiten
Der Reigen der Gebete, die mich leiten,
Der Kranz, der Jesu Liebeswerk umfasst.

So wie Dein Leib den Leib des Herrn umschloss,
Umschließt die Perlenschnur des Herren Leben
Und stillt die grauen Ängste, die mich plagen.

Du Erste, die für Ihn ihr Blut vergoss,
In deren Mutterhand Er sich gegeben –
Trag mein Gebet zu dem, den Du getragen.

© Claudia Sperlich

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Zusammen in der Bibel lesen

Heute startete ein Bibelkreis in St. Marien in Berlin-Friedenau. Ich kann ihn nur empfehlen!
Anwesend waren der Kaplan der Großgemeinde als Moderator und sieben Laien, davon ein Mann. (Männer, wo bleibt Ihr? Die Bibel wurde auch für Euch geschrieben! Auch, wenn Ihr keine Priester seid!)
Der Pfarrer war leider verhindert – nächstes Mal wird er dabei sein.

Nach einem kurzen Gebet teilte der Kaplan Zettel aus mit dem Evangelium des kommenden Sonntags (Mk. 1,14-20). Wir lasen es im Stillen, dann wurde der Text nacheinander von zwei Teilnehmern vorgelesen. Nun sollte jeder im Stillen herausfinden, welches Wort oder welcher Satz ihm besonders ins Auge fiel. (Schwierig bei dem, wie der Kaplan sich ausdrückte, „telegraphischen“ Stil des Markus! Alles ist so wichtig.)

Mich sprach besonders der Anfang an: „Nachdem man Johannes den Täufer ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa.“ Ich dachte dabei, das ist, als ob Johannes den Staffelstab an Jesus übergibt. Johannes hat das Seine getan, nun übernimmt der Herr, auf den er hingewiesen hat.

Anschließend sollte jeder das Gefundende dreimal deutlich vorlesen. Dabei lasen einige dreimal mit verschiedener Betonung, was ich sehr spannend fand, weil sich dadurch ganz leichte Verschiebungen in der Bedeutung ergeben. „Folgt mir nach!“ ist ein bißchen anders als „Folgt mir nach!“

Anschließend erklärte jeder, was genau an dem besonderen Wort oder Satz so einleuchtend, befremdlich oder anregend war – und zwar gab es darüber fast keine Diskussion, die einzelnen Aussagen wurden nur zur Kenntnis genommen.

Zuletzt sprachen wir ein Dankgebet und das Vaterunser.

Diese Art, sich und einander die Bibel zu erschließen, gefällt mir sehr; ich möchte gerne weiter zu diesem Bibelkreis. Für interessierte Berliner und Berlintouristen:

Zusammen in der Bibel lesen
jeden 3. Donnerstag im Monat
18.00 Uhr
Pfarrhaus St. Marien
1. Stock
Bergheimer Platz 1
14197 Berlin-Friedenau

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Was am Katholizismus so klasse ist: Die Mission!

„Da ist Matthäi am Letzten“, hört man manchmal als Synonym für „Land unter“ oder „Alles aus“. Tatsächlich endet das Matthäusevangelium mit den Worten „… Ende der Welt“. Aber nicht, um ein möglichst katastrophales Ende vorauszusagen, sondern um uns die ständige Hilfe des auferstandenen Jesus Christus zuzusagen:

Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor Ihm nieder, einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: „Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu Meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was Ich euch geboten habe. Und siehe, Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

Das Markusevangelium endet:

Später erschien Jesus den Elf selbst, als sie bei Tisch waren; er tadelte ihren Unglauben und ihre Verstocktheit, weil sie denen nicht glaubten, die Ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten. Dann sagte Er zu ihnen: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden. Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In Meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.“ Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde Er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber zogen aus und verkündeten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte das Wort durch die Zeichen, die es begleiteten.

Lukas
beschreibt ausführlicher, wie der Auferstandene die Jünger belehrt und aussendet – und die erste Konsequenz (Freude und beständiges Gebet):

Während sie noch darüber redeten, trat Er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen. Da sagte Er zu ihnen: „Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen? Seht Meine Hände und Meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei Mir seht.“ Bei diesen Worten zeigte Er ihnen seine Hände und Füße. Als sie es aber vor Freude immer noch nicht glauben konnten und sich verwunderten, sagte Er zu ihnen: „Habt ihr etwas zu essen hier?“ Sie gaben Ihm ein Stück gebratenen Fisch; Er nahm es und aß es vor ihren Augen. Dann sagte Er zu ihnen: „Das sind Meine Worte, die Ich zu euch gesprochen habe, als Ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über Mich geschrieben steht.“ Darauf öffnete Er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften. Er sagte zu ihnen: „So steht es geschrieben: Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen und in Seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden, damit ihre Sünden vergeben werden. Angefangen in Jerusalem, seid ihr Zeugen dafür. Und siehe, Ich werde die Verheißung meines Vaters auf euch herabsenden. Ihr aber bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet!“
Dann führte Er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob Er Seine Hände und segnete sie. Und es geschah, während Er sie segnete, verließ Er sie und wurde zum Himmel emporgehoben. Sie aber fielen vor Ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.

Im vorletzten Kapitel des Johannesevangeliums lesen wir:

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende Ich euch.“ Nachdem Er das gesagt hatte, hauchte Er sie an und sagte zu ihnen: „Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.“

Der verschiedene Wortlaut ist nicht widersprüchlich. Ganz im Gegenteil! Der gegen jede Erfahrung, gegen alle Wahrscheinlichkeit auferstandene Herr ist plötzlich wieder bei den Jüngern – kein Wunder, daß Er das große Anliegen der Nachfolge mehrmals und in mehreren Formulierungen wiederholen muss. Er muss ihnen ja auch erst beweisen, daß Er tatsächlich Jesus und kein Gespenst ist – Er zeigt seine Wunden, an denen Er identifiziert werden kann, läßt sich berühren, und die letzten Zweifel verfliegen durch eine sehr un-gespenstische Sache: Er möchte etwas essen und isst „vor ihren Augen“. Er ist auferstanden, und Er stellt Seine lebendige Wirklichkeit unter Beweis, indem Er etwas ganz Normales tut: Er isst. Kein Zweifel, Er ist wirklich auferstanden.

Macht alle Völker zu meinen Jüngern!
Verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!
In Christi Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden!
Wie mich der Vater gesandt hat, so sende Ich euch!

Deutlicher geht es kaum. Alle sollen nach Jesu Lehre leben, die ganze Welt soll wissen, daß Jesu Leben, Tod und Auferstehung eine gute Nachricht ist, der Auftrag wird gelingen und das Leben aller Völker zum Guten ändern, und er ist göttlich.

Na dann:
Jesus folgen!
Froh sein!
Leben ändern!
Vertrauen und von Jesus reden, schreiben, singen, in Seinem Sinn handeln, furchtlos Rede und Antwort stehen. Das ist Mission, das ist göttlicher Auftrag.

Und wenn die heidnische Welt das gar nicht will? Na, dann erst recht. Überzeugen wird nur, wer Jesus genug liebt, einfach zu tun, was Er befiehlt. (Denn Er hat die Mission nicht empfohlen, sondern befohlen.)

Aber ist das nicht Zwang? Und hat die Kirche nicht schon sowieso immer mit Feuer und Schwert missioniert, und ist nicht bis heute Mission generell mit Gewalt (wenn auch subtiler als damals) verbunden?

Nein.
Zu den Gewaltvorwürfen bitte ich einfach mal in die Runde, sich eingehend mit Kirchengeschichte zu beschäftigen. Angenendt und Bordat sind gute Quellen, Dan Brown und Hochhuth sind es nicht.

Und Zwang? Wenn ich davon schreibe und rede, daß es mehr als alles andere lohnt, sich auf Jesus Christus einzulassen, so ist das kein Zwang. Niemand erleidet Nachteile, weil er meine Bücher und meinen Weblog nicht kennt oder blöd findet (außer man empfindet es als Nachteil, meine Bücher und meinen Weblog nicht zu kennen und zu lieben). Ich bin allerdings überzeugt, daß jeder Nachteile erleidet, der Jesus nicht kennt oder blöd findet. Das darf ich, solange ich mich nicht in Staaten wie Nordkorea oder Saudi-Arabien (oder einer der vielen anderen christenfeindlichen Diktaturen) befinde, öffentlich sagen. Ich werde das auch weiterhin tun – zum Beispiel auf diesem Blog, auf Radio Horeb, in X451, in kath.net, in der Tagespost, in der Arche Potsdam und in meinen Büchern.

Mission ist kein Zwang, sondern Information. Allerdings gibt es für Christen eine Verpflichtung zur Mission – der Herr hat sie ausgesprochen und bisher kein Wort davon zurückgenommen.

Mission hat viele Gesichter, auch Entwicklungshilfe, Pflege, Schulbildung. Das Herz der Mission muss aber immer das Gebet sein. Ohne Gebet und ohne Christus würde die Mission ein reiner Sozialverein. Mit Gebet und mit Christus bahnt sie vielen den Weg zum Himmel.

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Sonntagspflicht, Eucharistie und gültige Messe

Die katholische Kirche nimmt die Sonntagspflicht sehr ernst – und soweit ich weiß, tun die meisten evangelischen und freikirchlichen Denominationen das auch.

Ich mag den Begriff Sonntagspflicht nicht sehr, weil er so lastend klingt. Wie klingt denn „Ich muss jeden Sonntag meine Erlösung feiern“ oder „Ich muss jeden Sonntag meinen besten Freund besuchen“? Trotzdem ist er richtig, denn wir sind nun mal so gestrickt, daß es Tage gibt, an denen wir nölig sind und irgendwie lieber nicht zur Kirche wollen, vielleicht weil wir gerade faul sind, oder weil die anderen Gemeindemitglieder uns gerade mißhagen, oder weil wir die Predigten dieses Priesters nicht mögen. Dann ist es gut, wenn es klare Regeln gibt: Raff dich auf, ob du willst oder nicht.

Der Sonntagspflicht schuldhaft nicht nachkommen bedeutet für den Katholiken: Die nächste Beichte ist fällig, und davor ist der Eucharistieempfang nicht erlaubt. Das wiederum schließt den Kirchgang keineswegs aus, natürlich darf jeder, auch wer gerade nicht im Stand der Gnade ist (also nicht von einer schweren Sünde belastet), in die Kirche. Nur darf er dann eben nicht die Eucharistie empfangen. Er darf allerdings beim Kommuniongang nach vorne gehen und um den Segen bitten (das geschieht sinnvollerweise mit über der Brust gekreuzten Armen oder die rechte Hand auf die linke Schulter gelegt – dann weiß der Priester Bescheid, und es gibt kein Mißverständnis). Übrigens gilt das auch bei anderen noch ungebeichteten schweren Sünden – und auch, wenn man weniger als eine Stunde vorher etwas gegessen oder getrunken hat (Ausnahme sind Wasser und notwendige Medikamente); die Eucharistische Nüchternheit ist durchaus sinnvoll.

Geistige Kommunion, also der Wunsch nach dem Kommunionempfang und der Vollzug aller mit dem Eucharistieempfang verbundenen Gebete und Handlungen, außer dem Eucharistieempfang selbst, in einer inneren Haltung der Sehnsucht nach Gott, ist sowohl in einer Kirche als auch vor dem Fernseher möglich. Ich habe in der Kirche einige Male die Erfahrung gemacht, daß ich zwar aus Gründen die Eucharistie nicht empfangen konnte, aber getragen war durch die Gemeinschaft der Gläubigen. Sie empfängt die Eucharistie auch für den, der das nicht kann.

In dem Fall, daß man kürzlich die Sonntagspflicht versäumt hat (oder etwas anderes Beichtpflichtiges auf dem Kerbholz hat), seitdem aber unverschuldet wirklich keine Möglichkeit zur Beichte hatte, obwohl man das wollte, und ehrlich vorhat, bei nächster Gelegenheit zu beichten, kann man auch die Kommunion empfangen – sie ist ja auch ein Heilmittel für die Seele. Man sollte sich in so einem Fall aber sehr genau selbst prüfen; wir neigen nun mal dazu, uns besser zu finden als wir sind.

Was ist nun, wenn man der Sonntagspflicht nicht nachkommen kann, z.B. weil man krank ist oder Dienst hat? Wäre es dann möglich, in Echtzeit oder auch in der Mediathek die Messe mitzufeiern?
Zunächst einmal ist es natürlich keine Sünde, unverschuldet die Sonntagspflicht zu versäumen; wo ein gerechter Grund vorliegt, nicht zur Messe zu gehen, verlangt die Kirche das auch nicht. Gott will uns heilen, nicht knechten!

Es ist selbstverständlich gut (aber nicht geboten), in einem solchen Fall über Radio oder Fernsehen die Messe zu verfolgen und auch mitzubeten. Jedoch ist die Ausstrahlung über die Medien keine gültige Messe. Gültig feiert nur, wer physisch dabei ist. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen. Nach einer ebenso angeregten wie freundschaftlichen Diskussion auf facebook über die Gültigkeit der live in die MEHRspace-Halle übertragenen Messe im MEHR-Auditorium weiß ich inzwischen: Bei MEHRspace wurde ebenso gültig Messe gefeiert wie im Auditorium, weil sie vor Ort war, da die Halle mit der Übertragung als Nebenraum der Halle mit dem Altar gilt. Es ist auch denkbar, die Auffassung, was „vor Ort“ ist, großzügig zu erweitern, wenn die Gemeinden weiter ins Riesige wachsen mit einem Priester auf hundert Quadratkilometer. Vielleicht kann dann eine Live-Übertragung der Messe in der nächstgelegenen Pfarrei auch am heimischen Bildschirm als gültige Messe angesehen werden – mit geistiger Kommunion. Einstweilen ist es aber nicht so.

Sinnvoll ist jedenfalls bei Verhinderung (oder auch bei schuldhaftem Fernbleiben, wenn man sich das noch am selben Tag klargemacht hat), die für diesen Sonntag vorgesehenen Lesungen und das Evangelium zu lesen und den Psalm zu beten; der Schott hilft.

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