Ein Lied für drei Erzengel

Erzengel
Melodie: Wohl denen, die da wandeln (GL 543)

Ihr seid der Liebe Künder,
Ihr seid aus Gottes Licht.
Ihr sprecht als Seine Münder,
Ihr sagt uns: Fürchtet nicht.
Ihr seid von Gott zu uns gesandt,
Um auf Ihn hinzuweisen,
Ihr gebt Sein Wort bekannt.

An unsrer Seite streitet
Der Engel Michael.
Wo Böses sich verbreitet,
Da ficht er stark und schnell.
Wenn uns die Niedertracht bedroht,
Hilft er uns, Mut zu zeigen,
Und fragt: Wer ist wie Gott?

Auf Wegen uns geleitet
Der Engel Raphael,
Daß unser Fuß nicht gleitet,
Daß unser Blick wird hell.
In Krankheit und in Seelennot
Heißt er uns, Gott zu ehren,
Spricht: Euer Heil ist Gott.

Von Gottes Liebe kündet
Der Engel Gabriel.
Das All hat sie begründet,
Und alles macht sie hell.
Sie gibt der dürren Wurzel Saft,
Läßt Israel ergrünen,
Sie blüht durch Gottes Kraft.

aus: Claudia Sperlich, Lass mich bekennen Deine Mandelblüte

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Ich, wir und die anderen

Fast täglich höre oder lese ich, wie „wir“ sind – fast immer als Negativaussage. Wir sind ein von den 68ern geprägtes Volk der Beliebigkeit. Wir sind im Grunde nicht mehr christlich. Wir haben die elementaren Werte der Zivilisation vergessen.

Wir finden das… nein: Ich finde das interessant. Grammatisch schließt das Wir den Sprecher ein. Wir heißt: Alle, die ich anspreche, und ich selbst in gleicher Weise. So kann es beschreibende, aber auch auffordernde Sätze einleiten (Wir schaffen das ebenso wie Lasset uns beten). Es kann auch die Bitte einer Gruppe einleiten, zu der der Sprecher sich zählt: Wir armen Sünder, wir bitten dich, erhöre uns. In all diesen Fällen wird Wir grammatisch richtig benutzt.

In den eingangs zitierten und ähnlichen Sätzen gibt der Sprecher dem Pronomen eine neue Bedeutung – bei ihm heißt es „die Angesprochenen, zu denen ich mich nicht zähle, die aber zur gleichen Gruppe gehören wie ich und deshalb besser genau so handeln würden wie ich“. „Wir vernachlässigen unsere Kultur“ heißt: „Ihr gehört in den gleichen Kulturkreis wie ich, vernachlässigt jedoch diese Kultur, ganz im Gegensatz zu mir, der sie pflegt.“

Ich möchte in Zukunft auf derartige Klagen antworten: „Macht Euch nicht schlechter als Ihr seid, Majestät.“

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Was beim Lektoren-Aufbaukurs herauskommt

… wenn sonettophile Dichterinnen hingehen, ist – neben besserer Haltung und schönerer Vortragsart – dies:

Lektorensonett

Gib Raum dem Klang. Du führst und du umschließt
Den Atem und die Stimme. Halt sie rein.
Umschließen, führen lasse dich allein
Von dem, der Geistesgaben in dich gießt.

Ganz ohne Mühe sprich, als sei allein
Der Herr dein Hörer, wenn Sein Wort du liest.
Vertrau dem Wort, das dich aus Ihm durchfließt.
Du sollst ein Diener und ein Segen sein.

Sei frei von Druck und Angst. Bist nicht gezwungen –
Ein großer, guter Herr hat dich gedungen.
Sei frei von Stolz. Du bist beschenkter Sünder.

Steh aufrecht, flammend, wie die Altarkerzen.
Lies nur aus Liebe. Lies aus vollem Herzen
Und sei der frohen Botschaft froher Künder.

© Claudia Sperlich

Übrigens kann ich allen, die als Lektoren in der Kirche Dienst tun, empfehlen, nicht nur den Grundkurs, sondern auch Aufbaukurse für Lektoren zu besuchen. Das Erzbischöfliche Ordinariat von Berlin bietet solche Kurse sehr wohlfeil an. Ich vermute, daß es dergleichen in anderen Bistümern auch gibt.

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Keine Romreise

… aber den zweiten Platz und einen Büchergutschein über 50 € habe ich gewonnen mit meinem Kommentar zur Anbetung.
Nun gut, lesen ist auch nicht so stressig wie nach Rom reisen.

Was noch schöner ist als dieser Gewinn, ist die Anfrage, ob ich bereit sei, öfter mal für ein Honorar bei kath.net zu schreiben.

Ja, ich will!

Ganz großartig wäre jetzt noch, zu erfahren, wer denn nun nach Rom darf. Das gibt kath.net aber noch nicht preis – und so spekuliere ich anhand der „Likes“: Es ist Magdalena Stürzl mit ihrem nachdenklichen Text Wie viel Christus steckt noch in uns Christen?. Herzlichen Glückwunsch!

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Meine schönen Autorenexemplare!

Sie sind da – und einige sind schon wieder weg bzw. vorbestellt.

Aber ein Hardcover und fünf Paperback habe ich noch bei mir.
Und dann gibt es sie ja auch ganz normal im Handel. Wie Bücher so sind.
Übrigens sehen sie in Wirklichkeit noch schöner aus als auf dem Photo (schöneres Blau, klareres Titelbild) und erst der Inhalt! (Denn natürlich kann man am Äußeren auch mäkeln. Ja gut, wer will, auch am Inhalt. Es gibt komische Leute.)

Zyklische Sonette

Also, flugs bestellen: bei mir (dann gibt es auf Wunsch auch Signatur und Widmung, kostet aber leider 2 Euronen Versandgebühr), bei tredition (genauso günstig wie amazon, aber viel höhere Tantiemen für mich), bei der Buchhandlung Schwericke (für mich zwar schlechte Tantiemen, genau wie amazon, aber gut für den Einzelhandel und genauso günstig an die Haustür geliefert) oder, ja lieber Himmel, über amzon… Hauptsache, es wird gekauft, gelesen, verschenkt und – bitte – rezensiert!

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Versammlungsfreiheit

Liebe Lebensschutzgegner,

ich kann verstehen, daß Ihr den Marsch für das Leben nicht mögt. Die Lebensschutzbewegung äußert damit eine Meinung (menschliches Leben ist von Anfang an unbedingt schützenswert), die Eurer Meinung (menschliches Leben ist vor der Geburt nur dann schützenswert, wenn es der Mutter genau passt) entgegensteht. Ich kann das vor allem deshalb verstehen, weil ich Eure Meinung lange Zeit selbst vertreten habe. Deshalb will ich jetzt gar nicht über Lebensrecht und Religionsfreiheit schreiben, obwohl mir beides am Herzen liegt.

Stattdessen schreibe ich über Versammlungsfreiheit. Die ist im Grundgesetz verankert, außerdem in der Europäischen Menschenrechtskonvention und in der Europäischen Grundrechtscharta, und sie gilt allgemein in den Ländern, die Andersdenkenden nicht sofort die Rübe abhacken.

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Artikel 8
(1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.
(2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.

Eingeschränkt wird dieses Grundrecht durch das Versammlungsgesetz. Man muss eine Versammlung unter freiem Himmel bei den zuständigen Behörden (d.h. nicht bei den Kumpels im Internet) anmelden. Wir haben das gemacht, Ihr nicht. Man darf keine Waffen mitführen – auch keine Stinksprays und Farbbeutel. Wir haben uns daran gehalten, Ihr nicht. Und, ganz wichtig:

Abschnitt IV
§ 21
Wer in der Absicht, nicht verbotene Versammlungen oder Aufzüge zu verhindern oder zu sprengen oder sonst ihre Durchführung zu vereiteln, Gewalttätigkeiten vornimmt oder androht oder grobe Störungen verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Nun kann man natürlich sagen: Ich richte mich nicht nach den Gesetzen, weil ich sie schlecht finde. Das kann ich nachvollziehen; wenn ich ein Gesetz schlecht fände und vor der Wahl stünde, mich trotzdem daran zu halten oder strafbar zu werden, könnte es durchaus sein, daß ich mich strafbar machte. Um es klarer zu sagen: Wenn z.B. Religionsausübung bei Strafe verboten würde, ginge ich trotzdem zur Messe. Wenn der Marsch für das Leben bei Strafe verboten würde, wäre ich vermutlich unter den ersten, die einen heimlichen Marsch für das Leben vorschlügen.

Wenn Ihr gegen den Marsch für das Leben oder gegen das Primat der katholischen Kirche in Deutschland oder gegen die Schwerkraft öffentlich protestieren wollt, dürft Ihr das gerne tun. Es ist ja Euer Recht! Ihr müsst Eure Kundgebung nur anmelden, müsst Ordner bestellen und müsst die mit der Polizei abgesprochene Marschroute einhalten. Ich verspreche auch, Euch nicht zu stören.

Ihr habt eine erlaubte Versammlung gestört, und wirklich schrill seid Ihr beim Abschlussgottesdienst geworden. Das ist schade, nicht nur, weil es Euch Geld und Freiheit kosten kann, sondern weil es ganz einfach bescheuert ist. Die meisten von Euch sind wahrscheinlich nicht strunzdumm. Diese Aktion aber war es. Also habt Ihr Euch, liebe Lebenschützergegner und Marsch-für-das-Leben-Störer, weit dümmer benommen, als Ihr seid. (Tatsächlich glaube ich, daß die meisten von Euch eher intelligent sind. Nur eben nicht in Bezug auf Demokratie und Lebensschutz. So wie ich selbst wohl auch eher intelligent bin, nur nicht in Bezug auf Physik und Fußball.)

Ich hoffe sehr, daß wenigstens einer von Euch das hier liest und versteht. Ich schließe Euch alle in meine Gebete ein und bitte Euch von Herzen, das nicht als Drohung zu verstehen.

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Marsch für das Leben 2016

Sieben Stunden Ordnerdienst ohne Pause sind ziemlich kräftezehrend – aber auch schön. Deshalb gibt es nur einige ungeordnete Eindrücke. Bilder habe ich diesmal nicht, da meine Kamera gestern den Geist aufgegeben hat. Es gibt aber genug Bilder für jeden, der nur ein wenig sucht. Das lohnt auch in ästhetischer Hinsicht, denn es war alles voller Bischöfe. Also, das ist etwas übertrieben, aber wirklich nur ein bißchen. Anwesend waren:

– Erzbischof von Berlin Dr. Heiner Koch,
– Bischof von Regensburg Dr. Rudolf Voderholzer,
– Weihbischof Dr. Dominikus Schwaderlapp (Köln),
– Weihbischof Matthias Heinrich (Berlin),
– Weihbischof Florian Wörner (Augsburg).

Nachdem im Internet sehr ekelhafte Formen von Protest angekündigt waren, hatte ich zwar keine Angst, aber ein wenig Bedenken, da meine Ekelschwelle sehr niedrig ist. Aber die Krakeeler waren heute weniger als beim letzten Mal, und die Polizei hat ihre Arbeit außerordentlich gut gemacht.

Es war ein schöner, friedlicher Marsch – leider durch weniger belebte Viertel als letztes Jahr. Die Polizei sprach von 5000 Teilnehmern, Herr Lohmann von erheblich mehr. Ich erinnere mich an den letzten Marsch für das Leben mit 7500 Teilnehmern und glaube, wir sind diesmal etwas darunter geblieben. Aber wichtiger als die Teilnehmerzahl war, daß es trotz des traurigen Anlasses eine so harmonische, teilweise sogar fröhliche Aktion war. So viele verschiedene Menschen waren vereint in dem Wunsch, die Gesellschaft menschenfreundlicher zu machen.

Als ich während der Kundgebung am Anfang Zettel verteilte, machte ich eine sehr erschreckende Erfahrung. Eine Frau am Rande der Veranstaltung lehnte den Zettel ab mit den Worten:

Ich bin für Abtreibung.

Wörtlich so. Nicht „Ich bin für sexuelle Selbstbestimmung“ oder „Ich bin für ein Recht auf Abtreibung“ – sondern „Ich bin für Abtreibung“. Ich hätte gerne gewußt, warum eine Frau, die sich für emanzipiert hält, ausdrücklich dafür ist, daß ihr eine Ärztin den Muttermund mit eine Kugelzange aufhält, mit Metallstiften dehnt und mit einer Saugcurette die Gebärmutter leert, oder ihr eine Pille verabreicht, von der ihr mordsmäßig übel wird – aber es war nicht der Moment, das zu fragen. Ich jedenfalls verstehe unter Emanzipation etwas anderes.

Die Parolen der Gegenseite haben sich übrigens nicht verändert. Mein Favorit „Mittelalter, Mittelalter, hey, hey“ war natürlich wieder dabei, und ganz ehrlich: ich fühle mich geschmeichelt, wenn man mein Dasein mit romanischer Baukunst, gregorianischem Gesang und illuminierten Handschriften in Verbindung bringt. Dafür den Gegnern ein herzliches Dankeschön!

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Heilige Hildegard, bitte für uns!

Hildegardis
Melodie: Mein schönste Zier und Kleinod (GL 559)

Ein grüner Zweig an Gottes Baum,
die Augen voll von Himmelstraum,
war Hildegard von Bingen,
von Gott gestellt in diese Welt,
zu lehren und zu singen.

Sie war nicht scheu vorm Kaiserhaus
und sprach die Wahrheit frei heraus:
Gott sollst du nie verschmähen!
Du Fürst und Knecht, gib Gott das Recht!
Auf Ihn nur sollst du sehen.

O Kraft der Weisheit, die die Welt
umschließt, behütet und erhält
mit ihren goldnen Schwingen,
so Erdenlast wie Himmelsrast
wird durch sie wohl gelingen.

Ein helles Licht voll Heiterkeit
wird strahlen in der Ewigkeit
von Gott für all die Seinen.
Die Seele hat in Gottes Stadt
ein Haus von Edelsteinen.

Von ungemessner Tiefe an
bis über aller Sterne Bahn
gehn Liebe und Erbarmen.
Die Liebe hält die ganze Welt
in ihren schönen Armen.

Aus: Claudia Sperlich, Lass mich bekennen Deine Mandelblüte

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Argumente gegen den unbedingten Schutz menschlichen Lebens

1. Es ist noch kein richtiges Leben, kein Mensch, nur ein Zellhaufen.

Mit der Befruchtung entsteht DNA  aus den zwei haploiden Chromosomensätzen der Eltern ein neuer, in dieser seiner Kombination einzigartiger diploider Chromosomensatz eines unverwechselbaren Menschen. Der Biologe nennt es Leben (und die Biologin Suse machte mich auf den „DNA-Fehler“ aufmerksam).
Die befruchtete Zelle teilt sich, die Zellteilung geht weiter – die Morula ist in ihrer strengen Ordnung offensichtlich klarer strukturiert als ein Mensch, der dies schreiben und lesen kann. Mit meinen 54 Jahren bin ich einem Haufen sehr viel ähnlicher als ich im Morula-Stadium war; dennoch hoffe ich zuversichtlich, daß selbst die lautesten Krakeeler gegen den Marsch für das Leben meine Beseitigung nicht legalisieren wollen.

2. Die Frau hat ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung!

Das ist strenggenommen gar kein Argument gegen die Anliegen der Lebensschützer und keines für die Legalisierung von Abtreibung. Denn die Tötung eines Menschen, gleich wo er sich befindet, hat nichts mit Sexualität zu tun. Es sei denn, man definiert Menschen ausschließlich als „das, was beim Sex rauskommt“. (Ich weiß nicht, ob es irgendwelche Leute gibt, die sich und andere Menschen ausschließlich als das Ergebnis einer Sexuellen Beziehung sehen, kann es mir aber kaum vorstellen.)
Wenn man schon irgendeinen Zusammenhang zwischen sexueller Selbstbestimmung und Tötung eines Menschen herstellen will, könnte man mal über die sexuelle Selbstbestimmung des Ungeborenen reden. Das ist ein Mensch, der viel später entscheiden könnte, wie er mit seiner Sexualität umgeht. Zunächst einmal hat das Ungeborene das Recht, im Mutterleib zu sein – so die atheistische Lebensschutzbewegung Libertarians for Life.

3. Abtreibungen verhindern das Leid unheilbar kranker Kinder!

Das ist tatsächlich ein gar nicht so selten gehörtes Argument. Wie jetzt – „Ich bring dich um, weil das besser für dich ist“? Und dann beleidigt sein, wenn man das Euthanasie nennt? Ich wollte in diesem Artikel eigentlich ganz ruhig bleiben, aber bei diesem Argument gelingt mir das nicht.

4. Wenn Abtreibungen nicht legalisiert werden, gehen die Frauen zu Engelmacherinnen!

Sehen wir einmal davon ab, daß Abtreibung in Deutschland keineswegs legal ist, sondern unter bestimmten, sehr liberal interpretierten Umständen straffrei (was aber de facto einer Legalisierung nahekommt). Man könnte genauso gut sagen: „Wenn wir Gatten- und Verwandtenmord nicht legalisieren, dann gehen die Leute zu einem Auftragskiller oder machen es selber, das ist viel schlimmer.“ Also muss man dann, nachdem man in einer Beratungsstelle ausführlich dargelegt hat, daß die Tötung des Gatten oder Verwandten die einzige Möglichkeit ist, dem Antragsteller unzumutbares Leiden zu ersparen, ein Formular ausfüllen und bekommt einen approbierten Killer, der den Job diskret und professionell erledigt.
Keine gute Idee? Aber würde das nicht ein paar unprofessionell und leidvoll ausgeführte Morde ersparen?

5. Schließlich wird ja auch nur selten abgetrieben!

Tatsächlich wird in Deutschland auch nur selten ein bereits geborener Mensch ermordet. Das ist aber kein Argument für die Legalisierung von Mord. Wie häufig etwas geschieht, sagt nichts über die moralische Qualität des Ereignisses.
In den Jahren 2008 bis 2011 war die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland getötet zu werden, für Ungeborene 41 mal so hoch wie für Geborene. 2013 wurden 45mal so viele Kinder abgetrieben wie es Todesfälle Geborener im ersten Lebensjahr gab. Nach dem leichten Absinken im letzten Jahr gab es im zweiten Quartal 2016 gab es einen Anstieg der Abtreibungsziffern um 1,9%. Grob gerechnet, werden seit vielen Jahren in Deutschland jährlich mehr als hunderttausend Abtreibungen vorgenommen, das sind täglich über 270.
Würden täglich europaweit zehn Grundschulklassen durch Amokläufer ausgelöscht, fände das die überwiegende Mehrheit sehr schlimm. Etwa die gleiche Anzahl an Menschen wird täglich in Deutschland vor der Geburt getötet, ohne daß es besonders störend wirkt.

Mich störts aber schon. Deshalb nehme ich am 17. September zum fünften Mal am Marsch für das Leben teil.

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Muss man leben, auch wenn man nicht will?

Auf dem Marsch für das Leben wird regelmäßig nicht nur gegen Abtreibung, sondern auch gegen Beihilfe zum Selbstmord Flagge gezeigt. Das ist wohl noch mehr Menschen unverständlich und befremdlich.

Argumentiert wird so:

Wenn ein Mensch selbst entscheidungsfähig ist, warum soll er dann nicht seinem Leben ein Ende setzen, und warum soll er dazu nicht ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen? Wenn ein Mensch durch Krankheit oder Behinderung ein nur noch qualvolles, auf ein geistarmes Minimum reduziertes Leben hat, wenn er merkt, daß eine heimtückische Krankheit ihm in Kürze alle Möglichkeit zur Eigenbestimmung nehmen wird – ist es dann nicht sein Recht, zu entscheiden, in Würde zu gehen, solange er das noch kann, statt jahrlang sabbernd und jammernd in einem Pflegebett zu liegen?

Die häufigsten Gegenargumente von Lebensschützerseite sind leider meines Erachtens schwach. Sie lauten:

– Man muss Menschen Mut machen zum Leben!
– Man muss, statt der Selbsttötung zu assistieren, die Palliativmedizin verbessern!
– Man muss Sterbende liebevoll im letzten Abschnitt des Lebens begleiten!

Für sich genommen, stimmt das alles, und kein Mensch, der assistierten Suizid befürwortet, wird da ernstlich widersprechen. Nur wird es immer – und je älter wir werden, desto mehr – Krankheiten und Behinderungen geben, die äußerst schmerzhaft und seelisch in höchstem Maße belastend sind. Dazu gehört z.B. Demenz, der schleichende geistige Verfall, verbunden mit Angst und Einsamkeit selbst bei bester Pflege und Zuwendung, weil der Kranke seine Geschichte, seine Nächsten, seine Kinder vergisst. Angenommen, ich bekäme eine solche Diagnose – ich würde durchaus meinen Tod ersehnen. Allerdings hoffe ich sehr, daß ich die Sache nicht selbst in die Hand nähme – denn ich bin nicht Herr über Leben und Tod, und ich darf keinen anderen Menschen dazu machen.

Dabei sind das Dammbruchargument und die berechtigte Furcht, eine allgemeine Akzeptanz von assistierter Selbsttötung führe zu einer sozialen Pflicht, sein unbequemes Selbst entfernen zu lassen, zwar gute Argumente gegen assistierten Suizid, aber auch sie treffen nicht den Kern des Problems.

Man darf sich nicht töten und nicht töten lassen, einfach weil man lebt – weil ein Selbstmord nicht nur den Wert des eigenen, sondern jedes Menschenlebens relativiert. Auch wer nicht an Gott glaubt, kann das verstehen.

Ich darf leben, und ich habe zu leben – auch wenn es unbequem wird.

Ich werde am Marsch für das Leben teilnehmen.

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