Ehe für viele

Auf Facebook wurde mir folgende Frage gestellt:

Hallo liebe Claudia, ich weiß wohl um das Sakrament der Ehe, aber wie ist das nun mit Menschen, die sich letztlich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen und sich schlichtweg als „Päärchen 2. Klasse“ (oder Schlimmeres) fühlen müssen? Was hat die Kirche denen anzubieten? Also, ich bin nun wirklich kein martial-Verfechter der „Ehe-für-Alle“; ich denke, wir haben dringendere Probleme! ABER: Ich kenne nun auch schwule Paare, die ein absolutes Glück darin gefunden haben, dass sie Mann-Mann bzw. Frau-Frau sein dürfen, und dann meiner Ansicht nach, auch alle gleichen Rechte (und natürlich auch Pflichten) einer Ehe für sich in Anspruch nehmen dürfen. Bislang ist dies (zum Glück) in Teilen vor dem weltlichen Standesamt gut geregelt. Aber, was ist zum Beispiel mit gläubigen (schwulen oder lesbischen) Katholiken? Diese Paare werden sich ewig in der Diaspora der Gesellschaft fühlen, falls ihnen nicht eben die Gleichartigkeit der Ehe (mündige Partner vorrausgesetzt!!! Wohl bemerkt, rede ich ich von Menschen >=18!!!) verwehrt wird. Ich weiß sehr genau um die Argumente und auch die daraus folgenden Schwierigkeiten der kath. Kirche, dies anzuerkennen. Aber: Kann eine Kirche, die das Prädikat „katholos“ für sich beheimatet, nicht auch ein paar Dogmen wenigstens zur Diskussion stellen? Bitte, bitte, nimm dies nicht als mangelnden Respekt an! Noch will ich die katholische Religion beleidigen!!! Ich schreibe dies deshalb, weil es in jüngster Vergangenheit ein paar eklatante Missverständnisse bezüglich meiner Äußerungen und gläubigen Menschen gegeben hat. Nimm dies bitte einfach als Meinung / Anregung an!!! Danke!!!

Zunächst einmal: Selbstverständlich nehme ich diese Frage ernst und sehe sie auch keinesfalls als mangelnden Respekt oder Beleidigung. Es ist traurig, daß dem Fragesteller dergleichen offenbar häufig vorgeworfen wurde (so jedenfalls verstehe ich seine abschließende Bitte).

Sodann möchte ich, auch wenn der Fragesteller darüber bereits informiert ist, für die Allgemeinheit hier noch einmal kurz die Sicht der katholischen Kirche zeigen.

Katechismus der katholischen Kirche

2357 Homosexuell sind Beziehungen von Männern oder Frauen, die sich in geschlechtlicher Hinsicht ausschließlich oder vorwiegend zu Menschen gleichen Geschlechtes hingezogen fühlen. Homosexualität tritt in verschiedenen Zeiten und Kulturen in sehr wechselhaften Formen auf. Ihre psychische Entstehung ist noch weitgehend ungeklärt. Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet [Vgl. Gen 19,1-29; Röm 1,24-27; 1 Kor 6,9-10; 1 Tim 1,10], hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, „daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind“ (CDF, Erkl. „Persona humana“ 8). Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen.

2358 Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Veranlagung erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen.

2359 Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich – vielleicht auch mit Hilfe einer selbstlosen Freundschaft -‚ durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern.

In den 1975 unter dem Titel Persona Humana erschienen Erklärungen der Kongregation für die Glaubenslehre zur Sexualethik liest man:

Im Gegensatz zur beständigen Lehre des kirchlichen Lehramtes und des sittlichen Empfindens des christlichen Volkes haben heute einige unter Berufung auf Beobachtungen psychologischer Natur damit begonnen, die homosexuellen Beziehungen gewisser Leute mit Nachsicht zu beurteilen, ja sie sogar völlig zu entschuldigen.

Sie unterscheiden – was begründetermaßen zu geschehen scheint – zwischen Homosexuellen, deren Neigung sich von einer falschen Erziehung, von mangelnder sexueller Reife, von angenommener Gewohnheit, von schlechten Beispielen oder anderen ähnlichen Ursachen herleitet und eine Übergangserscheinung darstellt oder wenigstens nicht unheilbar ist, und Homosexuellen, die durch eine Art angeborenen Trieb oder durch eine pathologische Veranlagung, die als unheilbar betrachtet wird, für immer solche sind.

Was nun die Personen dieser zweiten Kategorie betrifft, kommen einige zu dem Schluß, daß ihre Neigung derart natürlich ist, daß sie für sie als Rechtfertigungsgrund für ihre homosexuellen Beziehungen in einer eheähnlichen aufrichtigen Lebens- und Liebesgemeinschaft angesehen werden muß, sofern sie sich nicht imstande fühlen, ein Leben in Einsamkeit zu ertragen.

Sicher muß man sich bei der seelsorglichen Betreuung dieser homosexuellen Menschen mit Verständnis annehmen und sie in der Hoffnung bestärken, ihre persönlichen Schwierigkeiten und ihre soziale Absonderung zu überwinden. Ihre Schuldhaftigkeit wird mit Klugheit beurteilt werden. Es kann aber keine pastorale Methode angewandt werden, die diese Personen moralisch rechtfertigen würde, weil ihre Handlungen als mit ihrer persönlichen Verfassung übereinstimmend erachtet würden. Nach der objektiven sittlichen Ordnung sind die homosexuellen Beziehungen Handlungen, die ihrer wesentlichen und unerläßlichen Regelung beraubt sind. Sie werden in der Heiligen Schrift als schwere Verirrungen verurteilt und als die traurige Folge einer Zurückweisung Gottes dargestellt.18 Dieses Urteil der Heiligen Schrift erlaubt zwar nicht den Schluß, daß alle jene, die an dieser Anomalie leiden, persönlich dafür verantwortlich sind, bezeugt aber, daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind und keinesfalls in irgendeiner Weise gutgeheißen werden können.

Zu den biblischen Begründungen: Gen. 19 wendet sich explizit gegen homosexuelle Akte der Gewalt. Ein häufig gehörtes Argument ist daher, daß es ja in einer homosexuellen Partnerschaft um einvernehmlichen Sex geht (und um Liebe und Fürsorge). Jedoch werden homosexuelle Akte im Neuen Testament auch grundsätzlich (d.h. auch dann, wenn sie einvernehmlich geschehen) als „Unzucht“ dargestellt, und man darf annehmen, daß dies auch im Judentum zur Zeit der jungen Kirche common sense war. Sexualität ist nach biblischem und christlichem Verständnis nur dann in Ordnung, wenn sie innerhalb einer Ehe stattfindet und – ganz wichtig – grundsätzlich für die Weitergabe des Lebens offen ist. Keineswegs wird Sex als Sünde gesehen – im Gegenteil sieht die Kirche Sex als so heilig an, daß sie ihm den geschützten Raum der Ehe vorbehält. Auch ist es nicht wahr, daß Sex nach katholischer Lehre nur stattfinden darf, wenn er mit einiger Wahrscheinlichkeit zur Schwangerschaft führt. (Das ist eine der unappettitlichsten Unterstellungen, die die Kirche erleidet. Tatsächlich wäre das eine mit der katholischen Sexuallehre nicht vereinbare Verzweckung der Sexualität.) Wenn ein Ehepaar feststellt, daß der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, braucht es dennoch keine Josefsehe zu führen. Ebenso ist die Natürliche Familienplanung katholischerseits erlaubt, solange sie nicht ausschließlich zur Verhinderung der Schwangerschaft genutzt wird.

Was jedoch nach katholischer Lehre eindeutig nicht sein darf, ist Sex, der aus seiner Natur heraus nicht auf Kinder ausgerichtet sein kann – also gleichgeschlechtlicher Sex. Daß dieser nicht zur Schwangerschaft führt, ist keine Ungerechtigkeit der Kirche, sondern eine biologische Gegebenheit. Zum Vergleich: Es ist auch nicht ungerecht, daß ich als Epileptiker keine Nachtdienste machen und nicht Auto fahren darf. Es ist schlecht, insofern es mir eine Menge Jobs verschließt, aber nicht ungerecht. Ich kann nichts dafür, kein Arbeitgeber kann was dafür, es nimmt mir einige Chancen – aber es hat überhaupt keinen Sinn, wenn ich jetzt „Ungerechtigkeit!“ schreie. (Und bitte, lieber Leser, ich vergleiche hier nicht Homosexualität mit Epilepsie. Ich mache nur an einem mir vertrauten Beispiel deutlich, daß manche Dinge nicht gehen, ohne das deshalb Ungerechtigkeit herrscht.)

Ebensowenig ist es ungerecht, wenn es keine katholische Ehe für Schwule oder Lesben gibt. „Ehe“ heißt auf katholisch: „Sakramentale, lebenslange, liebende, für Kinder offene Verbindung zwischen Mann und Frau.“ Auf säkular heißt Ehe immer noch: „Auf Dauer eingerichtete, notfalls kündbare Verbindung zwischen Frau und Mann, mit der Option, Kinder zu haben.“

„Ehe für alle“ ist nicht nur die feindliche Übernahme eines Begriffs; es ist auch begrifflich unklar. Es heißt so ungefähr: „Auf eher längere Zeit geschlossener, kündbarer Vertrag zwischen zwei oder mehr Menschen gleich welchen Geschlechts, bei dem Kinder gewollt werden bzw. möglich sein können oder auch nicht, jetzt erstmal mit einem Mindestalter von 18, es könnten später aber auch jüngere Leute und eventuell auch andere Wesen als Menschen zur Ehe zugelassen werden.“ Damit ist das Wort „Ehe“ in der neuen Bedeutung „Ehe für alle“ für so viele Definitionen offen, daß es den Sinn eines Nomens verfehlt. (Nomina sind dazu dazu da, Dinge und Sachverhalte knapp zu benennen. Ich sage „Fenster“, um nicht sagen zu müssen „Das im Idealfall durchsichtige Glas- oder Kunststoffding mit Rahmen, das dem Tageslicht ermöglicht, ins Haus zu kommen“. Wenn „Ehe“ mit der neuen Bedeutung gefüllt wird, die ich oben angegeben habe, aber zugleich auch die alte Bedeutung hat, verliert die Sprache und mit ihr das Denken an Klarheit.)

Es kann von der katholischen Kirche auch keinen Segen für schwule Paare geben, weil man nicht segnen kann, was man kategorisch falsch findet. Das heißt aber nicht, daß Homosexuelle generell keinen Segen empfangen können. Wenn sie sich entschließen, z.B. der Bruderschaft des Weges beizutreten, und hierzu den Segen der Kirche erbitten, wird ihnen der selbstverständlich gewährt. Aber auch ein verpartnerter Homosexueller, der in irgendeiner Sache um den Segen bittet, kann ihn empfangen – nur nicht gemeinsam mit seinem Freund, weil das den Eindruck einer Segnung der Partnerschaft erwecken könnte (selbst wenn es etwas anderes ist), somit ein Ärgernis wäre und nicht sein darf.

Wenn Homosexuelle in einer Partnerschaft treu sind und für den Partner auch in schwierigsten Zeiten da sind, so ist genau dies – die Treue, die Fürsorge – in sich gut. Das ändert aber nichts daran, daß homosexuelle Akte in sich nicht in Ordnung sein können.

Ich glaube, daß Sexualität dem Leben dienen soll, und daß sie dies nirgendwo auch nur annähernd so gut kann wie in dem geheiligten Raum der Ehe. Mit „dem Leben dienen“ meine ich: Partner, die miteinander ins Bett gehen, sollen sich vollkommen aneinander verschenken, sollen das Leben so sehr bejahen, daß sie seine Weitergabe mindestens in Kauf nehmen, besser noch freudig bejahen.

Was hat nun die Kirche homosexuellen Paaren anzubieten?

Zunächst: Das Sakrament der Versöhnung – und bei der Aufgabe homosexueller Praktiken (oder dem Mühen darum) seelsorgerliche Hilfe und alle Tröstungen, die die Kirche durch die Sakramente eben bietet. Sie hat ihnen also alles zu bieten, was sie anderen Sündern auch bietet.

Sodann ist die Berufung zur Keuschheit, von der der oben zitierte Katechismus spricht, keine unbedeutende Sache. Vielmehr ist das ein wunderbarer Gegenentwurf zu einer übersexualisierten Welt, ein Akt der Solidarität mit den Ungeliebten und eine Möglichkeit zur Sublimierung von Trieben.

Ich kann nicht mit mathematischer Sicherheit beweisen, daß das richtig ist, weil alles, was Moral, Ethik, Religion und Liebe angeht, sich der mathematischen Beweisbarkeit entzieht. Aber ich vertraue der Autorität Jesu, der auf biblischer Grundlage gelehrt hat, und der die Ehe ganz eindeutig als unlösbares Band zwischen Mann und Frau definiert (Mt. 19,5-6). Je mehr ich über Jesus nachdenke, desto mehr Bestätigung finde ich dafür, daß es richtig ist, Ihm voll und ganz zu vertrauen.

Das Buch Tobit erzählt die Geschichte des jungen Tobias und der Sara, die bislang grauenhaftes Pech mit Männern hatte. Tobias heiratet sie, besiegt mit Hilfe eines Engels einen eifersüchtigen Dämon, und dann…

Als Tobias und Sara in der Kammer allein waren, erhob sich Tobias vom Lager und sagte: Steh auf, Schwester, wir wollen beten, damit der Herr Erbarmen mit uns hat. Und er begann zu beten: Sei gepriesen, Gott unserer Väter; gepriesen sei dein heiliger und ruhmreicher Name in alle Ewigkeit. Die Himmel und alle deine Geschöpfe müssen dich preisen. Du hast Adam erschaffen und hast ihm Eva zur Frau gegeben, damit sie ihm hilft und ihn ergänzt. Von ihnen stammen alle Menschen ab. Du sagtest: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist; wir wollen für ihn einen Menschen machen, der ihm hilft und zu ihm passt. Darum, Herr, nehme ich diese meine Schwester auch nicht aus reiner Lust zur Frau, sondern aus wahrer Liebe. Hab Erbarmen mit mir und lass mich gemeinsam mit ihr ein hohes Alter erreichen! Und Sara sagte zusammen mit ihm: Amen.
Und beide schliefen die Nacht über miteinander.

Heiraten, Dämonen besiegen, beten, miteinander ins Bett gehen: Das ist die richtige Reihenfolge. Beteiligte: ein Mann, eine Frau. Dann klappts auch mit der Ehe.

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Warum ich so gerne Bahn fahre

… und zwar sowohl die Berliner S-Bahn als auch ICE, Interregio und andere, ist manchem nicht begreiflich. Tatsächlich aber entstehen dort zuweilen Gedichte oder Geschichten. Heute morgen auch wieder. Ein Hoch auf die Bahn!

Verliebte Notiz

Ins Notizbuch schrieb ich, spät am Abend,
Müde in der Bahn, auf langer Heimfahrt,
Deinen Namen, Liebster, schön verziert,
Schrieb dazu: Ich liebe Dich – und wieder
Deinen schönen und geliebten Namen.

Wieder munter, auf dem Weg zur Arbeit,
Fand ich mein Gekritzel im Notizbuch –
Jesus! Ja, ha-Shem, den großen Namen
Will ich lebenslang voll Liebe schreiben.

© Claudia Sperlich

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Myriam aus Qaraqosh

In den letzten Tagen gab es einige Diskussionen auf facebook über Jesu Worte zur Feindesliebe. Mir fiel nicht zum ersten Mal auf, daß es unter westlichen Christen durchaus die Haltung gibt „Das kann Jesus nicht gesagt haben, das geht eh nicht“. Und leicht ist es keineswegs, aber das hat Jesus ja auch nie behauptet. In diesem Zusammenhang fiel mir Myriam wieder ein.

Im Februar 2015 wurde die damals zehnjährige Myriam Behnam, eine Christin aus Qaraqosh im Irak, in einem Flüchtlingslager in Erbil interviewt. Ihr erstaunliches Zeugnis ging um die Welt – und ist wert, wieder einmal gehört zu werden.

Wie geht es dir, Myriam?
Gut, und dir?
Mir geht es prima. – Du siehst wirklich unser Programm?
Ja.
Magst du Sat-7 Kids?
Ja.
Woher kommst du? Bist du auch aus Qaraqosh?
Ja, ich bin aus Qaraqosh.
Du bist zehn Jahre alt, stimmts?
Ja.
Wie lange bist du schon in diesem Lager?
Vier Monate.
Was vermisst du am meisten aus Qaraqosh, was du hier nicht hast?
Wir hatten da ein Haus, und wir hatten dort Spaß, und hier haben wir das nicht. Aber, Gott sei Dank, Gott sorgt für uns.
Wie meinst du das, daß Gott für euch sorgt?
Gott liebt uns, und Er wollte nicht, daß IS uns umbringt.
Du weißt, wie sehr Gott dich liebt, nicht wahr?
Ja, Gott liebt uns alle, nicht bloß mich, Gott liebt jeden.
Glaubst du, daß Gott auch die liebt, die dir wehgetan haben, oder nicht?
Er liebt die, aber Satan liebt Er nicht.
Was empfindest du gegenüber denen, die dich von zu Hause vertrieben haben und dich in solche Not gebracht haben?
Ich will denen nichts tun, ich will nur Gott bitten, ihnen zu vergeben.
Und kannst du ihnen auch vergeben?
Ja.
Aber das ist sehr schwierig – oder ist es leicht, denen zu vergeben, die bewirkt haben, daß ich leide?
Ich bringe die nicht um. Warum sollte ich sie umbringen? Ich bin nur traurig, daß sie uns von zu Hause vertrieben haben. Warum haben sie das getan?
Du warst gern in deiner Schule in Qaraqosh, nicht wahr?
Ja, ich war immer die Klassenbeste.
Hattest du auch Schulfreunde?
Ja.
Sind die hier bei dir? Oder ist keiner von ihnen hier?
Einige sind hier, aber ich weiß nicht wo genau.
Vielleicht schauen ja einige von ihnen gerade jetzt Sat-7 Kids im Fernsehen. Was möchtest du ihnen gern sagen?
Bevor ich herkam, hatte ich eine Freundin. Sie hieß Sandra, und wir haben immer den ganzen Tag zusammen verbracht. In der Schule waren wir den ganzen Tag zusammen. Obwohl wir keine Nachbarn waren, hatten wir einander sehr lieb. Wenn eine der anderen Unrecht getan hat, haben wir einander immer vergeben. Manchmal haben wir gespielt und sind in Streit geraten, aber wir haben einander immer vergeben. Wir hatten einander sehr lieb, und jetzt möchte ich sie einfach sehen.
Du weißt nicht, wo sie ist, oder?
Nein, das weiß ich nicht.
Wenn Sandra uns nun sieht, wird sie dir sicher ihre Grüße schicken, und ich bin sicher, daß sie dich liebt, Myriam.
Sie liebt mich sehr. Und ich liebe sie auch und hoffe, sie hier eines Tages zu sehen.
Sicher, und ich hoffe, wir können bei dir sein, wenn du Sandra triffst.
Hoffentlich.
Was meinst du?
Ich hoffe, wir kommen wieder nach Hause und sie kommt wieder nach Hause, und wir können uns wieder treffen.
Ich hoffe, ihr kommt in ein Zuhause, das besser ist als euer früheres Zuhause.
Wenn Gott will! Nicht was wir wollen, sondern was Gott will, denn Er weiß.
Bist du nicht manchmal traurig? Glaubst du zum Beispiel, Jesus hat dich verlassen?
Nein. Manchmal weine ich, weil wir unser Zuhause und Qaraqosh verlassen haben, aber ich bin nicht wütend auf Gott, weil wir Qaraqosh verlassen haben. Ich danke Ihm, weil Er für uns gesorgt hat. Auch wenn wir hier leiden, Er sorgt für uns.
Du hast mich so viel gelehrt.
Danke. Du hast mir auch etwas beigebracht.
Was habe ich dir beigebracht?
Du hast mir beigebracht… du hast mir nichts beigebracht, was ich meine, ist: du hast Anteil an mir genommen. Du hast Anteil an mir genommen. Ich hatte Gefühle, und ich wollte, daß die Leute wissen, wie ich mich fühle… die Kinder hier…
Weißt du, daß Jesus dich niemals verlassen wird?
Er wird mich nie verlassen. Wenn du wirklich gläubig bist, wird Er dich nie verlassen.
Kennst du ein Lied, das du gerne singst, wenn du alleine bist, und durch das du zu Jesus sprichst? Oder erinnerst du dich an gar nichts mehr?
Ich kenne ein paar Lieder.
Würdest du mir dein Lieblingslied vorsingen? Nur ein kurzes Lied, das du uns vorsingen kannst – was meinst du?
Hier ist ein Lied: (singt) Wie froh ist der Tag, an dem ich zum Glauben an Christus kam. Meine Freude war vollkommen bei Tagesanbruch, und voll Dankbarkeit sang meine Stimme. Meine Liebe zu meinem herrlichen Retter wird von Tag zu Tag wachsen. Ein neues Leben, ein freudiger Tag, wenn ich mit dem, den ich liebe, wieder vereint werde. Von Liebe bewegt, kam Er – oh was für eine wunderbare Liebe! Er machte mich wieder gerecht durch einen wahrhaftigen Bund. Meine Liebe zu meinem herrlichen Retter wird von Tag zu Tag wachsen. Ein neues Leben, ein freudiger Tag, wenn ich mit dem, den ich liebe, wieder vereint werde.

Myriam wurde im Juli 2015 von einem amerikanischen Reporter interviewt und zeigte ein bemerkenswertes Verständnis von der Dreieinigkeit und von der Bibel. Sie nennt die Auferstehung „die einzige Geschichte in der Bibel“ – hat also begriffen, daß alles andere in der Bibel auf Jesus hin verstanden werden kann.

In der Bibel sagt Jesus zu uns: „Habt keine Angst, Ich bin bei euch“, und Er hat auch gesagt „Vergebt anderen“. Gleich wie sehr sie euch hassen, ihr müsst ihnen vergeben. Jesus ist mein Vater, und Er ist mein Schöpfer. Ich habe keinen Besseren als Ihn. Als IS uns von zu Hause vertrieben hat, war Seine Hand über uns, und Er hat uns gerettet.
Wenn Myriam erwachsen ist, will sie bei Ärzten ohne Grenzen mitmachen.
Es gibt überall Menschen, die medizinische Behandlung brauchen, aber nicht bekommen, weil sie nicht genug Geld haben, um zum Arzt zu gehen. Und in der Regel sind die Ärzte auch nicht ihre Nachbarn. Jesus hat gesagt: „Umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ Deshalb sollen wir sie lieben und ihnen Behandlung geben.
Myriam sagt, sie liebt die Bibel, weil sie Gottes Liebesgeschichte mit den Menschen ist.
Die einzige Geschichte in der Bibel ist die Geschichte von der Auferstehung des Herrn Jesus Christus. Durch diese Geschichte können wir Hilfe erlangen.
Wenn ich bete, so bete ich, Gott möge uns helfen, wieder nach Hause zu gehen, und auch, daß der Friede Gottes auf den ganzen Irak kommt, und auch, daß Gott IS vergeben möge.
Die Worte, die ich zu euch sage, kommen nicht irgendwoher. Sie kommen vom Heiligen Geist. Der Heilige Geist hat mir die Worte gegeben, die ich euch sagen soll.
Myriams stolzer Vater sagt:
Ich glaube, Gott hat mir eine gute Tochter gegeben – daß sie das Wort Jesu durch die Medien verbreitet. Nicht für den Ruhm, sondern um Gottes Wort allen Menschen zu geben, die im Frieden leben.
Myriams Mutter Alice brachte ihren Kindern viele religiöse Lieder bei. Sie sagt:
Es scheint, daß der Heilige Geist ihnen in die Herzen gegeben hat, diese Lieder zu lieben und diesen Teil ihrer Persönlichkeit ganz Gott zu weihen, und Gott zu preisen, und so lieben sie diese Art des Lobpreises besonders. Und schließlich mahnt Myriam Kinder in den USA und anderswo, Gott zu lieben und ihren Glauben mit Freunden zu teilen.
Und wieder Myriam:
Sie brauchen keine Angst zu haben. Und auch wenn Dinge in ihrem Leben passieren, sollten sie von uns und unseren Leben lernen. Das ist nicht um etwas zu bekommen oder selbst berühmt zu werden, sondern um Gottes Willen, weil Gott lebt, und wir wollen alles zur Ehre Gottes tun, und auch um Gott in unseren Leben zu preisen.

Kurz vor Weihnachten 2015 besuchte der selbe Reporter Myriam wieder in Erbil und brachte ihr viele Postkarten und Bilder mit, die für sie und alle Flüchtlingskinder bei Sat7 eingegangen waren – Kinderbilder und Grüße aus aller Welt.
Myriam wurde völlig überrascht; sie saß in einem Klassenraum, als der Reporter kam.

Ab 2:06:
Ein Freund namens Sam Evans fragt: Was ist das Geheimnis deiner Stärke bei all diesen schrecklichen Dingen, die der Feind dir angetan hat?
Ich widerstehe dem Bösen mit Jesus Christus.
Eine unserer Freundinnen namens Megan schickt einen Brief und fragt Myriam: Welchen Rat kannst du Menschen geben, die Verfolgung leiden?
Ich sage ihr, sie soll unerschütterlichen Glauben behalten. Das sollte sie. Sie muss unerschütterlichen Glauben haben, denn dann wird sie Gott vertrauen, und ihr Vertrauen zu Gott wird ihr Liebe geben und Kraft, um das Leid der Verfolgung zu ertragen.
Möchtest du den Mächtigen der Welt vielleicht eine Botschaft sagen?
Ich möchte ihnen sagen: Betet zu Jesus, denn Er ist alles im Leben. Er hat ihnen das Leben gegeben und beschirmt sie in harten Zeiten. Ich möchte ihnen sagen, sie sollen Liebe im Herzen haben und Barmherzigkeit für andere. Wir leiden jetzt. Aber sie sollten Liebe und Barmherzigkeit im Herzen haben.
Es gibt einen Dialekt namens Sorath, nicht wahr, Myriam?
Ja.
Und in dem kann man das Gebet des Herrn sprechen. Kannst du es in Sorath aufsagen?
(Myriam und ihre beiden Freundinnen sprechen das Gebet des Herrn.)
Was würdest du all den Leuten heute sagen, die versuchen dir zu sagen, daß sie dich unterstützen und lieben?
Ich möchte ihnen sagen: Ich danke euch allen, denn ihr habt mir ein Gefühl von Sicherheit und Frieden gegeben. Ich danke auch all jenen, die für mich und für das ganze irakische Volk gebetet haben. Ich danke allen Kindern, die mir diese Geschenke geschickt haben.

Myriam ist nun ungefähr zwölf Jahre alt. Vielleicht ist sie wieder zu Hause in Qaraqosh – leider habe ich keine weiteren Nachrichten. Hoffen und beten wir, daß sie auch weiter so eine mutige, gläubige, vergebende Christin bleibt!

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Pane del Cielo – Himmelsbrot

Heute findet in vielen – hoffentlich sehr, sehr vielen – Gemeinden die „äußere Feier“ des Fronleichnamsfestes statt. In unserer Gemeinde werden wir wieder ein Lied singen, das der Hl. Alfonso Maria de Liguori gedichtet hat – in meiner Übertragung, singbar auf die Melodie O Bread of Heaven.

In diesem Schleier, Himmelsbrot,
Verbirgst du meinen wahren Gott;
mein teurer Hort, ich liebe dich,
Mein liebster Jesus, du gibst dich
All jenen, die dich lieben, Gott,
In der Gestalt von schlichtem Brot.

O Lebensnahrung, du gibst mir
Das Pfand des ewgen Lebens hier;
Ich lebe nicht aus eigner Kraft,
Gott lebt in mir, der Leben schafft,
Ihm dank ich Nahrung und Geleit,
Er führt mich in die Seligkeit.

O Liebesband, vereine recht
Den lieben Herrn mit seinem Knecht:
Wenn ich nur lebe liebesleer,
Begehr ich nicht zu leben mehr,
Weil es für mich kein Leben gibt,
Lieb ich nicht den, der mich so liebt.

Du zündest, mächtger Feuerbrand,
Das Herz voll Sehnsucht, den Verstand,
Dich sucht mein Herz: Ach komm, o Herr,
Komm und entzünde mich noch mehr;
Brennt schon mein Feuer heiß und hoch,
Ist deine Liebe stärker noch.

O holder Blitz, wenn meinen Gott
Ich kränkte, tut Vergeltung not:
Auf, schlage meine Seele wund,
Sie sterbe für des Lebens Grund.
Du selber gabst dein Leben hin,
Weil du mich liebst mit Herz und Sinn.

Geliebtes Gut, du bandest mich
Mit vielen Ketten fest an dich.
O süße Liebe, dir allein
schenk ich mein Herz, dein will ich sein
Für immer, denn du gabst dich mir,
Nun will ich selbst mich geben dir.

Geliebter, du erwartest mich
Im Himmel, daß ich liebe dich
Ganz unverstellt. So wird es sein,
Das hoff‘ ich, Gott und Leben mein!
Verwehren kann der Himmel nicht,
Was er mir gibt und was er spricht.

© der Übersetzung: Claudia Sperlich

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Bilder aus St Marien in Friedenau

In den letzten Wochen sind einige Bilder meiner Heimatkirche entstanden, und Fronleichnam ist eine schöne Gelegenheit zur Veröffentlichung. Es ist eine schöne Kirche, und mir gefällt, wie uneinheitlich die Ziegel und Natursteine sind.

St Marien FriedenauSt Marien Friedenau
St Marien FriedenauSt Marien Friedenau
St Marien FriedenauSt Marien Friedenau
St Marien FriedenauSt Marien Friedenau
St Marien Friedenau
St Marien Friedenau
St Marien FriedenauSt Marien Friedenau
St Marien FriedenauSt Marien Friedenau
St Marien Friedenau
St Marien FriedenauSt Marien Friedenau
St Marien Friedenau
St Marien Friedenau

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Gedichte zu Fronleichnam

Fronleichnam

Der Herr zieht vorbei
im strömenden Regen.
Ich knie vor Ihm
auf nasser Straße.
Als Katholikin
bin ich erkennbar
am Fleck auf der Hose
und pfeif auf dem Heimweg
voll heiliger Speise
das Tantum ergo.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte

*

Fronleichnam am Gendarmenmarkt

I

Mein Herz fasst die Freude nicht,
die Gott mir schenkt –
mein ganzer Leib ist erfüllt
bis in Finger- und Zehenspitzen
von goldener, quellender, leuchtender
Freude aus Gott, meinem Herrn:
Er hat meine Sünden vergeben,
ich darf Seinen Leib empfangen,
ich darf Ihn kniend verehren,
mit Ihm durch die Straßen ziehen.

II

Selbst die Amseln singen heute lauter –
zwar nur weil sie festlichen Gesang
konkurrierend überbrücken wollen,
aber immerhin: Sie sind in Schwung,
wenn bei Wandlung und vor der Monstranz
alle Menschen schweigen vor dem Herrn,
modulieren ungebremst die Amseln,
und mein Ohr hört Gotteslob darin.

© Claudia Sperlich

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Seiten sperren, Seiten entsperren

Ich hatte mich hier ziemlich heftig über eine Bibliothek geärgert. Nun aber hat mir ein Mitarbeiter der Bibliothek sehr genau erklärt, wie es zu einer solchen Sperrung kommen kann, nämlich durch die Unvollkommenheit des Algorithmus, und dadurch, daß eine Bibliothek leider auch zum Aufsuchen von Schmuddel-, Sekten- und Gewaltseiten mißbraucht wird, wenn sie sich nicht schützt.

Der Mitarbeiter hatte sich über den von mir überspitzt erhobenen Vorwurf der Diktatur zu Recht geärgert, und ich habe ihn (den Vorwurf, nicht den Mitarbeiter) gelöscht.

Ärgerlich bleibt es, daß offenbar der beste Algorithmus nicht imstande ist, die Homepage einer Römisch-katholischen Gemeinde von einer gefährlichen Sekte zu unterscheiden. Aber der Geist der Unterscheidung ist eben auch der Geist der Weisheit, und wenn ich selbst einen gar nicht weisen Vorwurf formuliere, kann ich von einem Algorithmus nicht mehr verlangen.

Liebe Ingeborg-Drewitz-Bibliothek, entschuldige bitte. Ich werde künftig bei gesperrten Seiten mal einfach tief durchatmen.

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„Katholisch“ und „Kulte“: Ganz, ganz böse!

Die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek in Berlin-Steglitz ist ein angenehmer Ort. Der Bestand ist sehenswert für eine Bezirksbibliothek. Die Bibliothek ist kinderfreundlich mit einem feinen Kinderbuchbestand und gemütlichen Kinder-Sitzecken sowie gelegentlich Lesungen für Kinder. Sie ist jugendfreundlich mit einer großen Menge an Jugendbüchern und einem Computerbereich direkt daneben, bei dem sehr darauf geachtet wird, daß kein Jugendlicher länger als eine Stunde am PC sitzt. Sie ist auch Erwachsenenfreundlich mit vielen Büchern zu vielen Themen, mit guten Buch-Recherchemöglichkeiten und Sitzgelegenheiten mit und ohne Schreibtisch, zum Lümmeln und Schmökern ebenso wie zum konzentrierten Arbeiten, und mit PCs auch in dem Bereich für die „Großen“. Es gibt in einer Ecke der Bibliothek ein kleines, günstiges und nettes Café. Die Mitarbeiter sind freundlich, die ganze Bibliothek ist hell und gepflegt.

Eine überspitzt formulierte Bemerkung über die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek habe ich gelöscht, nachdem ich eine erklärende Mail bekam mit der Zusicherung, die betreffenden Seiten wieder zuzulassen.

Mein Blog ist von den hiesigen PCs aus nicht aufrufbar. Argument: Hassrede und Gewalt.
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Die Homepage der katholischen Kirchengemeinde Maria unter dem Kreuz ist ebenfalls von hier nicht aufrufbar. Argument: Kulte.
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Beschwert habe ich mich bereits, das nützt aber nichts.

Liebe Ingeborg-Drewitz-Bibliothek, cultus heißt verehrt. cultura heißt das, was verehrt wird. Kult und Kultur haben miteinander zu tun. Die ursprüngliche Bedeutung des zugrundeliegenden Verbs colere ist übrigens anbauen. Dort, wo das Getreide für Brot angebaut wird, wird auch Gott verehrt und werden am Ende auch Universitäten und Bibliotheken gebaut. Essen, beten, bilden – das gehört zusammen.

Aber macht nur weiter so. Solltet Ihr irgendwann den Bestand an religiösen Büchern verramschen, nehm ich den Ratzinger / Benedikt XVI. und den Franziskus.

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Was am Katholizismus so klasse ist: Das Purgatorium!

Jetzt, wird mancher denken, ist sie völlig ausgetickt. Was ist daran schön?

Ich mag meine Dusche. Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, werde ich unweigerlich dreckig – Straßenstaub, Schweiß und was in der Stadt- oder Landluft so herumfliegt, pappt nach einer längeren Fahrt an meinem Körper. So schön die Fahrt war, das ist eklig, und zu Hause bin ich froh, wenn ich mich davon befreien kann.

In diesem Leben pappt so einiges an meiner Seele. Vieles davon geht in der Duschkabine ab, die man Beichtstuhl nennt. Aber anderes, wie die klammernden bösen Neigungen oder die Schäden, die ich anderen Menschen zugefügt habe, oder die hartnäckigen Reste von Übelnehmerei, schlimmstenfalls auch ungebeichtete Sünden, bringe ich beim letzten Atemzug nicht herunter. (Das Gebet um eine gute Sterbestunde schließt ein, das am Ende möglichst wenig Gruseliges an der Seele klebt.) Es ist jedenfalls damit zu rechnen, daß man mit nicht so ganz blütenweißer Seele stirbt.

Ich brauche aber nicht zu befürchten, daß ich mit meinen dreckigen Klamotten zwischen den strahlend weiß gekleideten Bewohnern des goldenen Himmlischen Jerusalem herumlaufen muß. Ich muß – und darf – vorher einen Reinigungsprozess durchlaufen, das Purgatorium (von lat. purgare, reinigen). Der deutsche Ausdruck Fegefeuer entstand durch die Vorstellung, daß die Seelen im Feuer geläutert werden, wie Edelmetalle.

Das Purgatorium hat übrigens, entgegen einem schier unausrottbaren Irrtum, rein gar nichts zu tun mit der Vorstellung eines Limbus, wo es kein Leid gibt, aber auch keine höchste Glückseligkeit in der Anschauung Gottes. Diese Vorstellung entstand, weil man glaubte, Ungetaufte könnten auf keinen Fall in den Himmel kommen, auch wenn sie unschuldig waren. (Genaueres zur Idee des Limbus – auch, daß es hierüber sehr positive Auffassungen gibt – steht bei Kathpedia.)

Ich nehme an, daß ich im Purgatorium sehr genau erfahre, in welchem Maße andere Menschen durch meine Schuld gelitten haben. Das ist, wenn man genau darüber nachdenkt, keine schöne Vorstellung – die Folgen seiner eigenen Sünden genau so empfinden, wie andere sie empfinden mußten. Aber dennoch ist das Purgatorium ein Zustand der Hoffnung, denn es ist klar, daß es ein notwendiger Durchgang ist und danach die ewige Seligkeit kommt.

Nein, schön ist das Purgatorium nicht. Aber klasse ist es, daß es das gibt – daß man befähigt wird, vollkommen rein in den Himmel zu kommen. (Übrigens auch, wenn man nicht glaubt, daß es ein Purgatorium gibt. Ob man etwas glaubt oder nicht ändert ja nichts an seiner Existenz.)

Purgatorium

Meine Sünden ziehen Bahnen,
weiter, als ich sehe,
Folgen kann ich kaum erahnen,
bis ich vor Dir stehe.

Jeden werd ich sehen, jeden,
den ich je verletzte,
den mein Gift geschliffner Reden
je ins Unrecht setzte,

Jeden auch, dem ich versagte
seinen Teil der Gaben,
jeden, über den ich klagte,
ohne Grund zu haben,

Jeden, den ich falsch gerichtet,
vorschnell ausgeschlossen,
den mein Leichtsinn hat vernichtet,
dessen Blut geflossen,

Jeden, den ich zwang zu dulden
Worte oder Taten,
Jeden, der durch mein Verschulden
selbst in Schuld geraten…

Herr, ich darf schon heute wissen:
Du wirst mir vergeben.
Doch erst wird mein Herz zerrissen –
und dann kann ich leben.

© Claudia Sperlich

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Immer noch: Gesegnete Pfingsten!

Heiliger Geist: Auch heute wird Er besonders gefeiert, erbeten, ersehnt. Zu rechnen ist mit Ihm immer.

Hrabanus Maurus (780-856) dichtete viel, meist in der klassischen Form des Hexameters.
In einer uns vertrauteren, für ihn noch recht modernen Liedform schrieb er den Pfingsthymnus Veni Creator Spiritus. In meiner Übersetzung:

Komm, schöpfrischer Geist, besuche
Der Deinen Denken, erfülle
Mit himmlischer Gnade die Seelen
All jener, die Du geschaffen.

Der Du der Tröster genannt wirst,
Geschenk des Gottes, des höchsten,
Lebendger Quell, Feuer, Liebe
Und unsre geistliche Salbung.

Du siebengestaltge Gnade,
Du Finger der Rechten Gottes,
Du Heilsversprechen des Vaters,
Du schenkst der Kehle die Sprache.

Entzünde ein Licht den Sinnen,
Voll Liebe gieße die Herzen,
Die Schwäche unseres Leibes
Mach stark durch dauernde Tugend.

Vertreib den Feind in die Ferne,
Gib uns beständigen Frieden.
Wenn Du als Leiter vorangehst,
So meiden wir alles Übel.

Durch Dich lass den Vater uns kennen,
Und lass uns den Sohn verstehen,
An Dich, den Geist dieser beiden,
Lass Du uns alle Zeit glauben.

aus: Hymnarium. Lateinische Hymnen der Kirche neu übersetzt

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